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AIR 03.11.2013 01:58

Roter Bär / die Erkundung einer Location
 
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KATZENBERGER MUSIC PRODUCTIONS
ROTER BÄR / die Erkundung einer Location


Der zweite November Anno 2013


Liebe Musikfreunde,

ungewöhnliche Ereignisse bedingen ungewöhnliche Vorbereitungen.
Für die nächste Musik-Produktion bin ich auf der Suche nach einer geeigneten Location.
Angeregt durch eine Musiksession und ein langes Gespräch mit Thomas kam seinerseits die Idee auf, die Grube Roter Bär in Sankt Andreasberg im Harz zu besichtigen.
Durch seine berufliche Tätigkeit hat er einen guten Draht dorthin. Ihm war die große Radkammer in Erinnerung, als möglicher Ort für eine akustisch reizvolle Musikproduktion.
Ulrich Katzenberger war von der Idee angetan und ein Konzept war schnell gefunden. Dazu nur soviel; Flöten sind mit von der Partie und so fragte ich den Flötenbaumeister Martin Praetorius http://www.martin-praetorius.de, ob er sich ein derartiges Vorhaben vorstellen könne; und mehr noch, ob er bei einem Soundcheck in der Grube dabei wäre.

Heute war es nun soweit. Wir sind in die Grube Roter Bär eingefahren. http://www.lehrbergwerk.de
Ulrich konnte nicht dabei sein, weil er in Graz gebunden war.
So waren wir zu dritt nebst einem äußerst kundigen und netten Führer unterwegs.





Nach einer kurzen Vorbesprechung, der Ausrüstung mit Gummistiefeln, Helm und Lampe und einem ersten Stück Kuchen, ging es los.
Die wichtigste Anweisung, so ist es zumindest mir in Erinnerung geblieben, besagte, dass man den Anweisungen seines Führers blind und unverzüglich zu folgen habe.
Wenn er ruft "spring", dann soll man springen, nicht nachdenken und schauen, sofort springen, ansonsten hilft auch keine Kopfbedeckung.

Die Grube Roter Bär ist kein touristisch erschlossenes Bergwerk.
Es ist ein Ort, an dem die Zeit stehengeblieben ist.
Nur einige neue Sicherungsvorrichtungen flößen etwas Vertrauen ein.
Ein unscheinbarer Eingang am Berghang verschaffte uns Eintritt in diese unheimlich fantastische Welt.
Draußen hingen die Wolken tief und sorgten für ein ähnlich kühl feuchtes Klima, wie es uns im Inneren des Berges erwartete.
Der Berg öffnete seinen Schlund und zog uns durch dunkle Gänge, einer steinernen Speiseröhre gleich, in sein Inneres.



Der heilige Andreas versprach uns im Schein meiner Grubenlampe die erhoffte Rückkehr ans Tageslicht.



Es ging über Eisenleitern an tiefen dunklen Schächten vorbei, durch Gänge, die kaum breiter sind als ein Mensch und oft so niedrig, dass längere Strecken in gebückter Haltung durchschritten werden mussten. Das platschende Knarzen der Gummistiefel auf wasserbedecktem Gestein war ein steter Begleiter.
Den Helm als Kopfbedeckung lernt man dabei zu schätzen, verhindert er doch eine durch spitzes Gestein aufgeschlitzte Kopfhaut.
Wenn man bedenkt, dass die Menschen damals mit der Kraft ihrer Hände rund 1 cm Vortrieb pro Tag schafften, sieht man diese Gänge und Kammern in einem völlig anderen Licht.



Nach mehreren hundert Metern war es soweit, Martin wickelte seine wertvollen Flöten aus und spielte an einer Abzweigung mehrerer Gänge mit feuchtklammen Fingern erste Töne.
Das Feedback des Berges war derart intensiv, dass er die Unterschiede zwischen den Instrumenten viel intensiver wahr nahm als in seiner heimischen Werkstatt.
Viele Meter weiter in den schmalen Gängen war die Musik mit annähernd gleicher Intensität zu hören und der Ausklang verlief sanft und gleichmäßig.



Es ging weiter zu einer anderen Stelle, von der wir uns eine gute Akustik erhofften.



Es folgte die gleiche Prozedur. Die Flöten wurden aus ihrer schützenden Umhüllung genommen und Martin begann mit seinem Spiel.



Die Akustik hat uns an dieser Stelle vollends überzeugt.
Der Flötenklang in Nahfeld war bezaubernd und der Ausklang faszinierte uns durch seine Klarheit und seinen völlig gleichmäßigen Verlauf; - unfassbar schön, wie sich dieser in der Weite der Gänge verlief!
Auch erste Gesangproben waren vielversprechend.




Auch Thomas und unserem musikkundigen Führer sieht man die Ergriffenheit an.




Die große Radkammer hingegen brachte uns eine eher trockene Akustik. Das Gestein ist hier an seiner Oberfläche zerklüftet und wirkt als Diffusor.
Das die Oberfläche des Gesteins eine derartige akustische Wirkung haben kann, habe ich mir bisher nicht vorstellen können. Das war mal wieder etwas, das man unmittelbar erleben muss, um es zu begreifen.



In der Radkammer war früher ein riesiges Wasserrad im Betrieb.
Die Arbeitsleistung, dort untertage mit bescheidenen Mitteln einen derart großen hohen Hohlraum zu schaffen ist unvorstellbar.
Auf dem Foto kann man sehr gut den feuchten Aufwind sehen, der erst im Blitzlicht sichtbar wurde.
Wir zogen in Erwägung, die Radkammer als Backstage-Bereich zu nutzen.


Nach dem Ausfahren und einer Pause mit leckerem Kuchen (vielen Dank Thomas!) fuhren wir noch in eine ca. 1 1/2 km entfernt gelegene Grube ein.
Akustisch ergab sich dort keine bessere Option, vielmehr wurde diese Exkursion zu einem Lehrpfad in Sachen Bergbau.

Ich danke Thomas ganz herzlich dafür, dass er dies alles möglich gemacht hat, Martin dafür, dass er es gewagt hat, sich und seine kostbaren Instrumente diesen Unwägbarkeiten auszusetzen und unserem Führer für die tolle Unterstützung und die vielen spannenden Informationen.

Ich werde Ulrich Katzenberger eine eindeutige Empfehlung aussprechen!

Bergmannsheil
AIR


Replace_S 03.11.2013 08:42

Schöner Bericht über eine nette Idee. :daumen:
Akustisch habe ich bislang unter Tage noch nichts unternommen. Mal sehen, ob sich das bei Gelegenheit ändern wird.

Glückauf
Michael

OpenEnd 03.11.2013 12:03

Hallo Air,

vor 12 Jahren habe ich bei Mentor Graphics in München gearbeitet und wir haben einen Betriebsausflug in den Salzstollen von Bad Reichenhall unternommen. Beim Einfahren mit der Schienenbahn wurden wir in der großen Halle von 4 Alphörnern begrüßt. Völlig unerwartet ein tolles Sounderlebnis.
Abends dann haben wir im Heilstollen den geselligen Teil verbracht. Dabei spielte ein wahrer Könner Xylophon. Ist ein sehr bekannter Xylophon Virtuose. Das Xylophon war ein Riesending, vielleicht auch ein Marimbaphon. Kenne mich da nicht richtig aus.

Klanglich war das im Heilstollen des Salzbergwerkes der Hammer.

Gute Idee von euch mit dem Bergwerk. Ich würde mir wünschen, das dabei auch noch Musik für mich rauskommt, die ich nicht nur des guten Klanges wegen vorführen will, sondern selbst mit Genuß hören.

Grüßle vom Charly


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