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  #14  
Alt 20.12.2013, 00:36
Babak Babak ist offline
 
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Hallo


Zitat:
Zitat von Suedalpler Beitrag anzeigen
Einspruch! Es gibt schon einige Leute die sich dessen bewußt sind, auch hier im Forum. Ich selbst arbeite seit gut 30 Jahren damit. Habe selbst bei entsprechenden Performances mitgearbeitet und dabei Künstler unterstütz, welche sich diesem Thema angenommen haben. Ist man sich dessen bewußt, kann man sich Methoden aneignen um die Wahrnehmung zu schärfen und das Wahrgenommene zu lokalisieren. Dafür bedarf es jedoch einer gewissen Bereitschaft sich auf das ungewohnte einzulassen.
Es ist ja bekannt, dass man auch beim Hören viel trainieren kann.
Unser Gehirn ist ja für solche Sachen gebaut ...

Und ja, es bedarf einer gewissen Bereitschaft und Anstrengung, die nicht immer aufgebracht werden will






Zitat:
Zitat von Suedalpler Beitrag anzeigen
Das ganze hat jedoch Grenzen. Diese zeigen sich bei gewissen Talenten die jemand hat oder eben nicht hat. Hat jemand auf einem bestimmten Gebiet kein Talent, dann kann er zwar trotzdem eine ganze Menge durch Übung wettmachen, soweit wie ein talentierter kommt er jedoch nicht.
Die moderne Neurowissenschaft schließt so etwas wie ein "Talent" immer mehr aus.

Jender Faktor, der am stärksten mit den Kompetenzen untersuchter Personen korrelierte, war das Ausmaß des Trainings.


Zitat:
Zitat von Suedalpler Beitrag anzeigen
Gut das du es ansprichst. Hörvermögen und Wahrnehmung sind zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe.
Nehmen wir z. B. Hörvermögen, was ja im Zusammenhang mit unserem "Hobby" oder "Profession" immer wieder genannt wird. Dazu ein Beispiel, hierfür unternehme ich einen Ausflug in die Farbenwelt - einfach um das ganze etwas bildlicher zu gestalten: wenn ein bestimmtes Musikstück "blau" klingt, dann wird jemand, welcher ein 100%ig normal funktionierendes Gehör hat, es auch als "blau" im Gehirn gemeldet bekommen. Wer dagegen "grün" hört, der bekommt die Meldung "grün" im Gehirn. Soweit so gut. Aber: Die Zuordung "blau" oder "grün" ist nicht absolut. Jeder der Probanden hört eh immer so. Egal ob Live oder aus der Konserve (egal ob HiFi, High-End, Low-End oder meinetwegen auch Open-End). Wenn jemandem also Live das "blaue" Musikstück gefällt - egal ober er jetzt "blau" oder "grün" hört - wird im das aus der Konserve genauso gut gefallen. Vorrausgesetzt die Konserve kann das rüberbringen und die betreffenden Probanden sind in der Lage sind "über" die Anlage hinweg zu sehen. Sich also darauf einlassen können. Wenn wir jetzt "blau" einen 20ig-jährigem und "grün" einem 80ig-jährigem zuordnen, dann erklärt dies, warum ein 80 jähriger genauso schön Musik geniesen kann wie ein 20 jähriger. Bezogen auf die gleiche Live-Band oder Konservenanlage. Immer VORRAUSGESETZ die beiden können sich darauf einlassen.

Entscheidend ist also die Wahrnehmung und nicht die Qualität des Gehörganges (wenn es nicht durch Missbildung oder Unfall zestört wurde).

Und genau deswegen macht es mich wütend/traurig wenn es zu solchen Aussagen kommt, wie: "allles nur Einbildung". Man kann es lernen, auch wenn man es nicht in die Wiege gelegt bekommen hat. Man muß sich nur mal darauf einlassen
Man kann die Aussage "alles nur Einbildung" auch reframen.

Denken wir konstruktivistisch und ersetzen wir "Einbildung" (ein offensichtlich stark emotional belasteter Begriff) durch "Konstruktion.

Wie ich vorhin schrieb:
Die Wahrnehmungsapparat, das Bewusstsein, der Denkapparat eines jeden Menschen konstruiert die individuelle Realität.

Beim einen spielen die einen Faktoren eine stärkere Rolle, beim anderen andere Faktoren.
Somit unterscheiden sich deren Wahrnehmungen, teils sogar beachtlich.

Jede konstruierte Wirklichkeit unterscheidet sich von jeder anderen, und alle sind gleich "richtig" und gleich viel wert.


Ja, alles ist Konstruktion.
Was ist daran so schlimm?


Zitat:
Zitat von Suedalpler Beitrag anzeigen
Also jetzt enttäuscht du mich aber. Ich zitiere dich mal:
"ich will hier nicht Menschen in Gruppen einteilen und auch nicht eingeteilt sehen.
Das führt schnell zu Wertungen, meist sind das Abwertungen."


Und jetzt das: "Ich bin überzeugter Konstruktivist."

Dich selbst steckst du aber schon in eine Schublade. Wie darf ich das verstehen???
Auch wenn es Schubladen geben kann, gibt es Inhalte von Schubladen.

Ich bin bekennender Konstruktivist - inhaltlich gemeint.
Etwaige Schubladen oder Etiketten sind mir egal.


Zitat:
Zitat von Suedalpler Beitrag anzeigen
Also ich finde schon das meine Erfahrung an einer roten Ampel besser stehen zu bleiben als weiterzufahren mehr wert ist als die Erfahrung meines Nachbarn, der meint das er Zeit spart wenn er bei rot über die Ampel fährt.
Genau, deine Wirklichkeit ist eine andere als seine.

Du hast Dir Deine Wirklichkeit so konstruiert, weil sie auf Grund Deiner Erfahrungen für Dich mehr Sinn macht.

Kann sein, dass für Deinen Nachbarn eine andere Konstruktion der Wirklichleit mehr Sinn macht.


Zitat:
Zitat von Suedalpler Beitrag anzeigen
Die Wirklichkeit ist Live - die Anlage daheim ist Konserve, erschaffen dafür eine Live-Ilusion zu bekommen. Auf welche Faktoren jemand wert legt - sei es nur der Selektion wegen dem Geldbeutel - ist seine Sache und auch vollkommen legitim
Konstruktivistisch erklärt:

Deine Wirklichkeit ist eine Konstruktion deines Bewusstseins.
Wie Du eine Live-Situation wahrnimmst, ist ebenso eine Konstruktion wie es Deine Wahrnehmung der Konserve, die über die Anlage daheim abgespielt wird.

Und Du hast recht:
Wenn bei einem der Faktor "Preis" die konstruierte Wirklichkeit über die wahrgenommene Wiedergabequalität positiv beeinflusst, ist das genauso legitim, wie wenn es beim anderen es die blaue LED ist oder die schwere aus einem Alu-Block gefräste Fernbedienung oder das Dicke Lautsprecherkabel oder was auch immer ...


Zitat:
Zitat von Suedalpler Beitrag anzeigen
Eben, dann soll er aber nicht anderen damit auf den Nerv gehen. Und die anderen nicht ihm.
So ist es.

Leider ist das in Foren oft nicht möglich.
Da ist der Drang größer, dem anderen zu attestieren, dass er "falsch" hört und zu bestärken, dass man selber natürlich "richtig" hört.

Das wird mit diversen Etiketten und Titulierungen geschmückt.

Ein lustiges Spiel, das nie langweilig wird, wie es scheint.

Zitat:
Zitat von Suedalpler Beitrag anzeigen
Ich habe diesen Thread eröffnet, weil ich auf die unterschiedliche Wahrnehmung hinweisen wollte, und das es genau deshalb zu immer wiederkehrenden Diskussionen führt. Was in der Regel völlig sinnlos ist. Man redet aneinander vorbei.
Und das find eich sehr gut.

Ich habe das nur mit dem konstruktivistischen Ansatz ergänzt, dass diese unterschiedlichen Wahrnehmungen alle gleichwertig sind.

Daher ist es müßig zu sagen, wer "richtig" hört und wer "falsch".

Zitat:
Zitat von Suedalpler Beitrag anzeigen
Jedoch gibt es manchmal Fälle, da muß ich einschreiten, sorry. Ein Beispiel: Ein in New York lebender Japaner hat mal einen Lautsprecher entworfen, welcher den Sitzgewohnheiten der japanischen Kultur entspricht. Dort sitz man, zumindest damals, meisten auf dem Boden auf Kissen. Dann haben irgendwelche Hobby-Hifi-Reporter diesen Lautsprecher - http://shahinianacoustics.com/Obelisk.htm - einfach in Ihren Hörraum/Wohnzimmer positioniert und getestet. Man ist in keinster Weise auf die Besonderheiten der Box eingegangen. Der Test war ein totaler Veriss - mit kleinen Marken kann man es ja machen. Das ich solche Leute in eine Schublade stecke lasse ich mir nicht nehmen!
Ich höre daheim mit den Shahinian Obelisks.
Nur eine Verständnisfrage:
Meintest Du, dass die von einem in New York lebenden Japaner konstruiert worden sind?
Oder wo kommt hier der Japaner her?


Du hast vollkommen recht:
Das sind eben Lautsprecher, die anders und in anders behandelten Räumen aufgestellt werden müssen, damit sie richtig spielen.
Meist werden sie (leider auch von Händlern) falsch und in falschen Räumen aufgestellt und die Leute ziehen dann über den schlechten Klang her.

Dennoch stecke ich da niemanden in eine Schublade.
Ich weise lieber darauf hin, dass diese LS besondere Anforderungen an Aufstellung und Raum haben, und dass der schlechte Klang der falschen Anwendung geschuldet ist.

Zusätzlich lade ich zur Demonstration zu mir ein.
Da kann ich innerhalb weniger Minuten zwischen miesem und guten Klang wechseln und somit meine Punkte demonstrieren.

Da kommen wir wieder zu einem Punkt, den Du oben geschrieben hast:
Auch hier muss eine gewisse Bereitschaft da sein, sich auf etwas ungewohntes und neues einzulassen.

Diese Bereitschaft ist sehr selten vorhanden.
Meist bevorzugen die Leute, bei ihrer Meinung zu bleiben, ohne das Ganze direkt erlebt zu haben.

Die wenigsten sind der Einladung nachgekommen.

Von mir aus ...

Zitat:
Zitat von Suedalpler Beitrag anzeigen
Es gibt einige wenige Ausreisser nach unten - wie gesagt, das sind die wenigsten. Meistens haben andere Hörgewohnheiten, sofern es mit einem Einlassen auf die eigene Wahrnehmung verbunden ist, Hand und Fuß. Ich habe da schon die unglaublichsten Sachen erlebt, welche völlig abseits jeglicher "Norm" sind. Aber so begründet, das ich das nur staunend (nicht abwertend!!!) akzeptiert habe.
Ja, man trifft immer wieder auf sehr andere Wahrnehmungen.

Sie müssen für denjenigen passen, der so hört, nicht für mich ...




LG
Babak

Geändert von Babak (20.12.2013 um 00:39 Uhr).
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