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Otwins Kopfhörer Olymp Hier ist der Bereich, in dem sich IKL freie Hörer über höchstwertiges Equipment austauschen können.

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  #21  
Alt 26.09.2016, 20:32
lotusblüte lotusblüte ist gerade online
 
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Hi,

Ein wenig möchte ich noch was schreiben zu den unterschiedlichen Kopfhörer-Konzepten. 1989, als der K1000 auf den Markt kam, lag bereits eine jahrelange Stax-Strecke hinter mir, geprägt durch Lambda und Sigma. Und klar war, dass dies qualitativ so ziemlich die Spitze markierte, denn es gab nichts an adäquatem Mitbewerb, von einem Jecklin Float mal abgesehen. Ich hatte sowohl mit meinem Stax-Händler als auch mit meinem Händler, der den K1000 im Programm hatte ein gutes Kundenverhältnis, sodass ich mir an beiden Adressen aussuchen konnte, wie die Vorführanlage wunschgemäß angeschlossen wurde - im Prinzip konnte ich selbst Hand anlegen. Es dauerte nicht lange, bis mir klar wurde, dass ein solches Konzept wie der K1000 im Klangbild Dinge absolvierte, an die Stax nicht herankam und umgekehrt gab es in der Staxwelt Dinge, die der K1000 so nicht ganz erreichte. Im Prinzip stand ich vor einer Patt-Situation, die aber signalisierte, dass man beide Systeme braucht, möchte man all das, was geht, als Wiedergabe erhalten. Der K1000 spielte erdiger auf, verlieh von daher Instrumenten und Stimmen mehr Körper, mehr Ausdruck bzw. Volumen, was halt das Geschehen um ein Stück echter erscheinen ließ. Stax ging schneller, also mit mehr Impulsschnelle zu Werke, hatte natürlich ein Stück mehr Durchsichtigkeit und verlieh der Wiedergabe dadurch etwas sehr geniales. Aber immer war es so, dass wenn ich mit einem der beiden Systeme hörte, mir auffiel, das genau das Stück des anderen fehlte. Natürlich nur dann, ging es für mich um eine Vergleichsdarstellung - nicht beim genussvollen Abtauchen.

Lange Zeit bediente ich mich beider Welten, ohne in Konflikte zu geraten - beide Systeme waren auf ihre Art genial. Das für mich entscheidende oder prägende war jedoch, dass der Zugewinn durch ein System, das frei vor dem Ohr ohne Ohrumschließung agiert, im Grunde genommen höher war, als der Zugewinn durch das ohrumschließende, in diesem Falle elektrostatische Prinzip. Dass ich damit für mich persönlich nicht falsch lag, konnte mir der vor ein paar Jahren erscheinende Float QA verdeutlichen, der als Elektrostat freier am Kopf agiert als ein damaliger Jecklin Float. Demnach muss irgend etwas dran sein an jener freien Schallausbreitung direkt vor dem Ohr.

AKG argumentierte damals so, ich zitiere:

"Der neuartige Wandler befindet sich in einem leichten Gitter-Körper. Der Schall bewegt sich also absolut frei. Im Ergebnis heißt das: es gibt weder Reflexionen vor dem Ohr, noch Klangverfärbungen. Die Luftigkeit der Konstruktion können sie sogar sehen. Blicken sie von außen auf das Gitter. Sie können durch den Hörer fast durchsehen."

"Wie zweiäugiges Sehen nicht automatisch auch räumliches Sehen bedingt, ist räumliches Hören, also die Lokalisation des Hörsignals außerhalb des Kopfes, nicht alleine schon durch ein Hörerpaar zu erreichen. Das sogenannte binaurale Hören stützt sich auf zwei Codierungen: die Zeitverzögerung zwischen den Ohren und die spektrale Information des Außenohres. Geschlossene Hörer sind nicht in der Lage, die nötigen Voraussetzungen für binaurales Hören zu schaffen."

Das kann man nun runterbrechen, in dem man das Übersprechen, die Schulter- und Außenohr-Funktion als wichtige Bestandteile sieht, geht es um eine möglichst echte KH-Wiedergabe. Natürlich in Verbindung mit einem System, das vor und hinter der Membrane selbst nicht für ein einbrechen sorgt.

Gemäß meiner Erfahrung gehe ich mit AKG's Stellungnahme konform. Klar haben wir am Markt einige klangliche Spitzenprodukte, die allesamt ohrumschließend arbeiten, aber aus meiner Sicht setzt das freie, nicht ohrumschließende Prinzip etwas drauf oder anders gesagt: für mich führt diese Umsetzung zum authentischsten Ergebnis - klar, dass man in dem Fall weit oben argumentiert.

Mit dem Mysphere 3.1 steht dann zukünftig genau solch ein arbeitendes Werkzeug an. Ohrumschließend bedeutet für mich immer, dass ein eigener KH-Schallraum zwischen Treiber, Polster und Ohr entsteht. Dieser Schallraum, der für mich nicht gleich zusetzen ist mit dem akustischen Aufnahmeraum, egal ob als KH-Raum kleiner oder größer dargestellt, hat halt am Ende tonal immer etwas eigenes, was sich in das Signal einmischt. Hat man diesen Raum erst gar nicht, kann sich die Akustik, basierend auf den vom Wandler erzeugten Schallwellen, unproblematischer oder unverfärbter am Ohr aufbauen. Genau das war für mich das große Plus eines K1000 und genau der Teil, den ich so von Stax nicht ganz bekommen konnte.

Soweit ein paar Randbemerkungen meinerseits, was aber nicht bedeutet, dass all das in Summe jedermann den gleichen Sinn machen muss. Es ist halt eine Sache, die mich seit Jahrzehnten begleitet und immer wieder zu Überlegungen führte. Nun wird dieses Thema erneut angestoßen durch den Kopfhörer, um den es in diesem Thread geht, was für mich sehr interessant ist, denn sowohl der Echtheitsgehalt als auch die räumliche Darstellung sind zwei ganz heiße Themen, wie ich finde.

Gruß,
Otwin
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Mysphere 3.1 from 1989 to 2017

Geändert von lotusblüte (26.09.2016 um 21:30 Uhr).
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  #22  
Alt 27.09.2016, 20:13
lotusblüte lotusblüte ist gerade online
 
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Hi,

Übrigens, der Mann, der sich auf beiden Photos hier intensiv dem Stax SR009 widmet, ist Heinz Renner.





Sehnsüchtig erwarte ich den Tag, an dem ich seinen Kopfhörer am Solaris einstöpseln kann.

Gruß,
Otwin
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Mysphere 3.1 from 1989 to 2017
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  #23  
Alt 28.09.2016, 20:36
lotusblüte lotusblüte ist gerade online
 
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Hi,

Dies war übrigens der erste K1000-Prototyp. Im Anhang eine Masterarbeit von Diplom Ingenieur Frank Schultz mit dem Thema: Optimierte Wiedergabe binauraler Signale. Ein bißchen trockener Stoff, dennoch lesenswert und aufschlussreich.

Gruß,
Otwin



Binaurales Hören, ein sehr wichtiges Thema, dass sich hauptsächlich auf die KH-Wiedergabe bezieht, da Stereo-Abmischungen für Lautsprecherbetrieb in der Wiedergabe nicht die Raum spezifischen Probleme gegenüber der KH-Wiedergabe mit sich bringen, was nicht bedeutet, dass die LSP-Wiedergabe hier räumlich betrachtet für jedermann unproblematischer zu betrachten wäre. Schließlich ist auch hier mehr oder weniger alles abhängig von der Raumakustik, die im freien Feld schnell dafür sorgen kann, dass bezüglich Akustik auf der vorhandenen Aufnahme deutliche Verfälschungen auftreten und somit das Endergebnis ein Stück weit entfernt ist von dem, was unter Authentizität zu verstehen wäre.

Der normale ohrumschließende Hörer trennt die Schallsignale, die am linken Ohr ankommen von denen des rechten Ohres - es findet demnach kein Übersprechen statt. Es gelingt wahrscheinlich nur wenigen Personen, sich dennoch den Aufnahmeraum bezüglich vorhandener Quell-Information im Nachgang vor dem Kopf realistisch aufzubauen. Einfacher wäre es, wenn die notwendigen Voraussetzungen, wie das Übersprechen, das mit einbeziehen der Außenohrfunktion bis hin zu den Reflektionen an der gesamten Kopfseite sowie den Schultern gegeben wären. Fließen diese Reflexionen mit ein, hat das Gehirn es deutlich leichter, gehörten Signalen einen Raum zuzuordnen, anders gesagt das Gehörte zu einem räumlichen Eindruck werden zu lassen.

Auch bei ohrumschließenden Modellen ist es nicht wurscht, was bezüglich Kapsel (Gehäuse) mit dem Außenohr passiert. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass bei Personen mit größeren Ohren, Selbige ganz sicher nicht mehr gut in den Ausschnitt der Hörer passen, die sehr knapp bemessen sind. Das Außenohr wird entweder zusammengedrückt bzw. zum Teil von den Polstern überlappt usw. Frei vor dem Ohr agierende Systeme kennen dieses Problem schon mal nicht, egal ob ein Jecklin, K1000 oder auch ein kommender Mysphere.

Da für das räumliche Hören das mit einbeziehen des Außenohres nicht unerheblich ist, auch geht es um eine tonal möglichst unverfälschte Wiedergabe, kann man sagen, dass freie ohranliegende Systeme hier von vorneherein einen Vorteil bieten. Sie können den Schall halt frei dem Ohr reichen, ohne Beeinträchtigung zwischen Wandler und Ohr.

Der K1000 bot aus meiner Sicht die tonal echteste Wiedergabe und die räumlich authentischste. Ein normales freies Feld ab Stirn bis hin zur ersten Orchesterreihe - im Prinzip das gleiche, wie bei einer guten Positionierung im Hörraum vor beiden Lautsprechern. Auch dort existiert ein Abstand bis zur Lautsprechergrundlinie, bei dem nichts zu orten ist. Erst danach, in der Regel ein Stück hinter der Grundlinie beginnt das ortbare Geschehen. Exakt dies konnte mir ein K1000 bezüglich räumlicher Darstellung bei entsprechend guten Aufnahmen vermitteln.

All dies, das darf man nicht außer acht lassen, trägt letztlich auch dazu bei, der sogenannten IKL entgegen zu wirken. Ich meine, kein KH-Freund wird etwas dagegen haben, wenn er in Sachen räumliche Darstellung gewinnt bzw. es ihm leichter fällt, näher an den Aufnahmeraum zu gelangen. Der LSP-Freund hat sich da leichter helfen, da er sich grundsätzlich in einem freien Raum bewegt und dort sein Schallereignis wahrnimmt - er muss lediglich darauf achten, dass seine Raumakustik entsprechend auf Vordermann ist. Das generelle freie räumliche Hören bekommt er aber bereits gratis, da es in der Natur der Sache liegt - anders beim Kopfhörer. Da versucht die "böse" IKL alles an Signal räumlich betrachtet möglichst nahe am Kopf oder im Kopf zu halten.

Deshalb ist es für diese Art der Wiedergabe um so unerlässlicher, von vorneherein das räumliche Hören zu unterstützen. Freie nicht ohrumschließende Systeme unterstützen das, wodurch dem Nutzer der räumliche Eindruck leichter gemacht wird. Am Ende profitiert ein solches System aber nicht nur räumlich sondern auch im Sinne einer tonal mehr unverfälschten Wiedergabe. Man könnte sagen, man ist sowohl farblich als auch seitens der Körperlichkeit näher, anders gesagt, es entsteht der Eindruck einer echteren Wiedergabe.

Deshalb bin ich ja so gespannt auf einen Mysphere. Denn, wenn er am Ende auf die eh hervorragende Arbeit eines K1000 noch etwas drauf zusetzen versteht, käme dies einer kleinen Sensation gleich. Ich bin gespannt.

Setzt man sich mit dieser Thematik gebührend ernsthaft auseinander, entsteht eine sehr gute Chance, sich selbst für die räumliche Wahrnehmung zu sensibilisieren. Dazu gehört natürlich auch gute Musik, die halt wie früher auch mehr im E-Bereich als im reinen U-Bereich zu finden ist. Das soll niemandem einen Musikgeschmack aufzwingen, aber dennoch dazu führen, die Möglichkeiten zu entdecken - was kein Fehler sein kann. Diese vermeintlich "kleinen" Teile vor unserem Ohr können größer und echter, als es ihnen manch einer gestattet.

Gruß,
Otwin
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Mysphere 3.1 from 1989 to 2017

Geändert von lotusblüte (28.09.2016 um 22:41 Uhr).
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  #24  
Alt 29.09.2016, 07:12
Lani Lani ist offline
 
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Den besten KH den ich je hatte, war der K1000
Leider war er nach einer Reperatur der Dämpfung bei AKG Wien nicht mehr zu gebrauchen.
Geh mir heute noch ab.
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  #25  
Alt 29.09.2016, 15:04
lotusblüte lotusblüte ist gerade online
 
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Zitat:
Zitat von Lani Beitrag anzeigen
Den besten KH den ich je hatte, war der K1000
Kann ich gut nachvollziehen, denn ich hatte den K1000 in Form von verschiedenen Serien über die Jahre. Selbstverständlich gab es auch etwas einschneidende Erlebnisse, griff man zum Beispiel zu Film-(Effekt) Musik von Erich Kunzel, die entsprechend aufbereitet wurde - eine Große Orchestertrommel tritt da sehr schnell dreimal so intensiv und füllig an gegenüber dem Normalfall. Da merkte man halt, dass die tieffrequenten Lagen abgeschnitten wirken.

Nun könnte es aber so sein, dass ein Mysphere, was die tiefere Frequenz anbelangt, durchaus im Gang nach unten mehr durchlässt ...

Ich will damit nichts gesagt haben - es könnte sein.

Für gezieltere Veröffentlichungen ist es wie bereits erwähnt noch zu früh, aber ein bisschen Freude im Vorfeld schadet ja nichts.

Gruß,
Otwin
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  #26  
Alt 29.09.2016, 15:42
mannitheear mannitheear ist gerade online
 
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Zitat:
Zitat von lotusblüte Beitrag anzeigen
...
Da merkte man halt, dass die tieffrequenten Lagen abgeschnitten wirken.
...
Hallo Otwin,

erstmal vielen Dank für die tollen Infos zum Mysphere. Mich interessiert das Thema vor allem auch deswegen, weil ich ebenfalls mal einen K-1000 hatte. Bei allem, was der K-1000 toll und auch besser machte als andere KH, war das Fehlen der tiefen Lagen der Hauptgrund, mich von ihm zu trennen. Die musikalische Darstellung wirkte einfach in vielen Fällen nicht komplett.

LG
Manfred
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  #27  
Alt 29.09.2016, 15:51
lotusblüte lotusblüte ist gerade online
 
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Zitat:
Zitat von mannitheear Beitrag anzeigen
Hallo Otwin,

erstmal vielen Dank für die tollen Infos zum Mysphere. Mich interessiert das Thema vor allem auch deswegen, weil ich ebenfalls mal einen K-1000 hatte. Bei allem, was der K-1000 toll und auch besser machte als andere KH, war das Fehlen der tiefen Lagen der Hauptgrund, mich von ihm zu trennen. Die musikalische Darstellung wirkte einfach in vielen Fällen nicht komplett.

LG
Manfred
Hi Manfred,

Ja, das ist nicht wegzudiskutieren - klar. War halt so. Ich konnte das auch attestieren, obwohl das auch von Serie zu Serie unterschiedlich war. Die gute Serie brachte den Tiefton ein Stück später zum Abfall. Aber wie erwähnt, es gibt bezüglich Mysphere da eine gute Chance ... da muss ich halt leider enden. Es darf schon davon ausgegangen werden, dass ein Mysphere im Keller eine Schippe zusätzlich bereit hält.

Das Ansinnen von Heinz Renner und Helmut Ryback geht bezüglich Mysphere klar in die Richtung, Dinge, die man unter gezielter Betrachtung einem K1000 etwas negativ anlasten könnte, zum Beispiel Frequenzgang nach unten zum positiven hin zu verändern. Oder auch Frequenzgang nach oben. Rund um dieses KH-Projekt wird an allen Stellen geschaut, was sich mit heutigem Materialeinsatz, zeitgemäßer Überlegungen, positiv verändern lässt, ohne das, was grundlegend gut ist - war, negativ zu beeinflussen.

Das ist eine echte Herausforderung, indem sich jeder vorstellen kann, was es bedeutet, aus etwas genialem noch etwas genialeres zu machen. Man kann im Prinzip nur den Hut davor ziehen, dass Entwickler sich solch einer Aufgabe noch mal stellen.

Gruß,
Otwin
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Geändert von lotusblüte (29.09.2016 um 16:45 Uhr).
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  #28  
Alt 07.10.2016, 09:33
jacobacci jacobacci ist offline
 
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Hallo Otwin
Grossen Dank für diesen Thread. Der Mysphere wird mit Sicherheit etwas besonderes. Ich hatte mal den etwas lädierten K1000 eines Kollegen gehört und war trotz der deutlichen Gebrauchsspuren fasziniert.
Im Gegensatz zu K872, Focal Utopia, den unendlichen Hifiman und Audeze Iterationen wird der Mysphere etwas ganz anderes bieten. Du hast es schön beschrieben in deinem Vergleich der Staxe und des K1000.
Mit den Infos in diesem Thread wird der Mysphere für mich erstmals greifbar. Der Wunsch nach Utopia & Co ist erstmal weg, bis der Mysphere da ist.
Grossen Dank für deine Beiträge - sie stellen so manches wieder in einen vernünftigen Kontext!
Grüsse aus der Schweiz
Rudi
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IEM: Etymotic ER4P, Westone 3, Oriolus Mk2
Over Ears: Fidelio X2, NAD Viso HP50, Ultrasone Edition 9, Audeze LCD3, Stax SR009, AKG K812
Amps: Violectric V200, Chord Mojo, High-Amp Sirius, Bryston BHA-1, Lake People HPA RS 08, Massdrop Grace M9xx
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  #29  
Alt 07.10.2016, 10:30
lotusblüte lotusblüte ist gerade online
 
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Hallo Otwin
Der Mysphere wird mit Sicherheit etwas besonderes.
Grüsse aus der Schweiz

Rudi
Hallo Rudi,

Vielen Dank. Ja, etwas besonderes trifft es. Sicherlich muss man abwarten, bis man ihn zu Gehör bekommt, da erst dann die klangliche Ausbeute vorliegt, aber ich bin da bezüglich Entwicklerteam sehr guter Dinge. Und weil ich bezüglich Info auch mit dem vertraut bin, was sich rund um das Mysphere-Projekt als innovativ bezeichnen lässt, ist eine besondere Freude auf diesen Hörer mehr als gerechtfertigt. Was mich persönlich natürlich ganz besonders freut, ist, dass es sich halt nicht um das übliche ohrumschließende Prinzip handelt sondern um eine Umsetzung ähnlich der eines K1000. Wir dürfen gespannt sein.

Was natürlich ebenfalls viel Sinn macht, ist der Umstand, dass der Mysphere bezüglich allem, was mit Messtechnik zu tun hat, bei Helmut Ryback und seiner Firma in besten Händen ist - idealer kann es gar nicht sein. Ich möchte zukünftig auch diesen Teil hier im Thread mit Text und Bild mit behandeln, soweit mir entsprechende Informationen zugehen. Angekurbelt habe ich das bei Helmut Ryback und so wie er Zeit dafür findet bzw. wie Information heraus darf, denke ich, wird er mich mit Selbiger versorgen. Am Ende soll es hier um einen Thread gehen, der so umfänglich wie möglich rund um den Mysphere 3.1 informiert.

Gruß,
Otwin
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Geändert von lotusblüte (07.10.2016 um 11:45 Uhr).
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  #30  
Alt 07.10.2016, 15:49
lotusblüte lotusblüte ist gerade online
 
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Hallo Otwin
Ich hatte mal den etwas lädierten K1000 eines Kollegen gehört und war trotz der deutlichen Gebrauchsspuren fasziniert.
Im Gegensatz zu K872, Focal Utopia, den unendlichen Hifiman und Audeze Iterationen wird der Mysphere etwas ganz anderes bieten. Du hast es schön beschrieben in deinem Vergleich der Staxe und des K1000.

Grüsse aus der Schweiz
Rudi
Hallo Rudi,

Da kann man noch etwas ausführlicher anpacken. Als audiophiler KH-Konsument zog es mich natürlich recht früh zu dem, was qualitativ andere Dimensionen auftat. Das waren in jener Zeit, Ende der Siebziger bis in die Achtziger, keine dynamischen ohrumschließenden Modelle unserer einschlägig bekannten Firmen.
Stax, Jecklin boten klanglich das, was unschwer zu erkennen, qualitativ das darstellte, wo für die ganzen restlichen Modelle Grenzen unüberwindbar waren. Viel viel später durch Grado, AKG, Sennheiser, Audeze, Hifiman ging es qualitativ dahin, was für die damaligen elektrostatischen Top-Modelle ganz selbstverständlich war, mit anderen Worten: Wer in der damaligen Zeit Interesse an KH-Qualität hatte, kam an Stax und Jecklin nicht vorbei. Und Gott sei Dank war damals bezüglich Kaufinteresse alles noch ganz normal. Eine Person mit Vorliebe im Bereich Pop, Rock wäre niemals auf die Idee gekommen, sich für eine Stax Kombi zu entscheiden. Es wurden für ein dynamisches Modell 100 - 200 DM in die Hand genommen, an irgend einem Amp in die Klinke eingestöpselt und Ruhe war. So damals in aller Regel.

Ich war dann zig Jahre mit Stax unterwegs, über Lambda, Sigma bis hin zum Omega und als 1989 der K1000 erschien, ich mich ihm gebührend widmen konnte, kam wieder etwas auf, was ich in gewisser Weise schon durch einen Jecklin erfahren hatte. Klanglich betrachtet eine in sich echtere Darstellung. Obwohl Stax in vielem super punktete, ohne lang zu debattieren, genial war, machte ein K1000 dennoch etwas, was sich mir auf Stimme und Instrument bezogen, natürlicher, echter darbot. War es die generelle Transparenz, Duchhörbarkeit eines Stax Elektrostaten, die dafür sorgen, dass im Sinne einer mehr gelungenen Echtheit die letzte Glaubwürdigkeit auf der Strecke blieb? Ich hatte mir in jener Zeit oft diese und ähnliche Fragen gestellt. Fakt war jedoch, dass ich den erwähnten tonalen Echtheitsgrad mit egal welcher Stax-Kombi nicht so bekommen konnte wie mit einem K1000. Hätte demnach ein Jecklin nicht Ähnliches machen müssen als Elektrostat? Selbstverständlich war die Möglichkeit geboten, dass man je nach eigener Prägung generell mehr von einem dynamischen Modell bekam, aber das konnte es nicht sein - dafür hantierte ich bereits überzeugt zulange mit vorzüglichen Probanden dieser Zunft.

Was am Ende übrig blieb, war das Thema der Konstruktion, demnach also ohrumschließend gegenüber frei vor dem Ohr. Und genau dort liegt auch heute für mich der Knackpunkt. Unterstützung bekam ich durch einen Float QA und durch viele dynamischen Modelle ganz unterschiedlicher Firmen. Alle diese Modelle mit ohrumschließender Form bergen aus meiner Sicht in sich das gleiche Grundproblem, unabhängig davon, wie gut sie klanglich den ein oder anderen überzeugen. Die klanglichen Einflüsse durch die Ohrumschließung sind entscheidend. Nun ist es natürlich nicht so, dass sich ein vor dem Ohr freies System deshalb mal grade aus dem nichts heraus entwickeln lassen würde. Um so etwas perfekt zu machen, müssen ebenfalls die richtigen Personen entwicklungsseitig zu Gange sein. Wird es aber richtig umgesetzt, bietet dieses Prinzip für mich mehr echten Klang, als es die Ohrumschließung ermöglicht.

Auf der vergangenen CanJam hatte ich mich ein wenig mit dem elektrostatischen Flaggschiff von Sennheiser beschäftigt. Ein exzellentes Gespann und klanglich vieles so abhakend, dass dort kein Spielraum für Diskussion bleibt - das alles unschwer zu erkennen, auch wenn auch diese Kombi wie alles andere unter typischen Messebedingungen läuft. Trotzdem ist man als "alter Hase" schon in der Lage, gewisse Dinge zu trennen bzw. sicher zuzuordnen. Auch hier zeigte sich bei näherer Betrachtung für mich, dass bei allem klanglichen Schmiss, das Thema einer Ohrumschließung nach wie vor ein Thema ist. Das muss man als Highender nicht unbedingt gezielt betrachten - klar kann man immer glücklich sein mit einer süperben Wiedergabe. Hat man sich allerdings den maßgeblichen Wesensunterschied einmal so richtig verinnerlicht, ist es schwer, von dieser Erkenntnis abzuweichen.

Diese Gedanken sollen nun nicht dazu führen, stolzen Besitzern ihre Modelle madig zu machen oder abzustufen, vielmehr soll es zu einer wirklich nicht unwichtigen Betrachtung führen. Glücklich und zufrieden hören, sich über tolle Errungenschaften freuen, ist das allerwichtigste, sich neugierig zu verhalten und mit Dingen in Berührung kommen, die man bis dato vielleicht mehr außer acht ließ, allerdings auch kein Fehler.

Zusammenfassend: Es gibt elektrostatisch, dynamisch, magnetostatisch wirklich einige tolle Produkte (davon konnte ich mich über die Jahre ausreichend überzeugen), was ich auch nie in Abrede stellen würde, aber unabhängig vom Antriebsprinzip liegt in der Konstruktion (ohrfrei oder umschließend) für mich das letztlich Wesentliche, geht es um möglichst unbeeinträchtigte oder unverfälschte Wiedergabe. Es ist für mich eine Erkenntnis, die über Jahrzehnte gewachsen ist und sich durch entsprechende Erfahrungen manifestiert hat. Wenn man so möchte, liegt dort für mich der Königsweg der authentischen Kopfhörerwiedergabe.

Um noch mal zu verdeutlichen, was es zur Zeit der Einführung eines K1000 qualitativ mit sich brachte, kann man sich gerne die damaligen Statements verschiedener Testzeitschriften durchlesen. Dazu die PDF im Anhang (Seite 4 ). Selbst wenn man nun nicht unbedingt sehr viel auf Hifipresse gibt, war es doch verwunderlich, dass die Urteile so deckend ausfielen, wodurch sich eine klar erkennbare Richtung schlecht in Abrede stellen ließ. Man war sich ziemlich einig, was aus den Zeilen selbst hervorgeht. Viele heutige Kopfhörerfreunde können all das schlecht nachvollziehen, da noch nicht geboren oder zu jung, aber es war eine aufregende Kopfhörerzeit, die bis heute nichts an Wirkung eingebüßt hat. Ganz im Gegenteil. Das eigentliche Flair einer Aufnahme, das durch das entsprechende Gesamtequipment zu Tage gefördert werden soll, ist nach wie vor entscheidend unabhängig eines bestimmten Musikgenre - eine Pink Floyd The Wall kommt immer noch allemal besser authentisch zu Gehör als verbogen oder zumindest tonal beeinflusst. Im Prinzip hat sich an all dem nichts geändert, außer, dass die Technik nicht schläft und heute bessere Möglichkeiten bestehen. Dennoch lautet das Motto nicht "Technik um jeden Preis". Ein vernünftiger Umgang damit ist heute genauso unumgänglich, wie zu jener Zeit. Und es zeigt sich mal wieder, wie wichtig es ist, dass die richtigen Personen sich einem wichtigen Thema annehmen, um das zu verfeinern, was bereits vor langer Zeit Bestand signalisiert hat.

Gruß,
Otwin
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