open-end-music-professional  

Zurück   open-end-music-professional > Privatforen > Replace_S Röhrenwelt
Startseite Registrieren Hilfe Benutzerliste Kalender Alle Foren als gelesen markieren

Replace_S Röhrenwelt Dieses Forum wird von Replace_S gestaltet und moderiert

 
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 10.07.2013, 08:02
Replace_S Replace_S ist offline
 
Registriert seit: 16.10.2012
Beiträge: 939
Beitrag Tuberolling

Früher oder später verspürt der stolze Besitzer eines Röhrenverstärkers dieses gewisse Kribbeln, welches sich langsam, aber stetig ausbreitet. Bei dem Betroffenen drängt sich das Begehren nach ungebrauchten Röhren aus alter Produktion in den Vordergrund.
Hört es sich mit den Röhren aus neuerer Zeit wirklich schlechter an oder gibt es da noch reichlich Verbesserungspotential durch Tuberolling? Um diese Frage zu diskutieren unterstelle ich den Wechsel von Neu nach Alt bei gleicher Röhre, also meinetwegen ECC83/12AX7 gegen ECC83/12AX7.

Casten Bussler (2a3-maniac) hat dazu in seinem Blog folgenden Beitrag geschrieben:

Zitat:
Tuberoller´s Guide to the Galaxy

Die Anlehung des Posting-Titels an Douglas Adams´ Bestseller "The Hitchhiker´s Guide to the Galaxy" ist dem Fan natürlich nicht entgangen. Zum Tuberolling im Allgemeinen und den (vermeintlichen) Klangunterschieden verschiedener Röhren - insbesondere zwischen NOS und NEU - im Besonderen gibt es wohl mehr Meinungen als NOS-Röhren, die die Bezeichnung auch verdienen... Ein Thema mit viel Zündstoff und Raum für Mythen, fast chaosgleich - genau wie die Abenteuer, die der Protagonist Arthur Dent in vorgenannter Romanserie durchlebt.

Die eine Fraktion, ich nenne sie einfach mal die "technikgläubige Fraktion", steht auf dem Standpunkt, dass jede Röhre, die die gleichen Spezifikationen erfüllt bzw. aufweist, in gleicher Schaltungsumgebung auch gleich klingt. Klangliche Unterschiede verschiedener Röhren (NOS oder NEU bzw. Unterschiede zwischen verschiedenen Marken/Herstellern), bei denen exakt gleiche Parameter gemessen werden, werden negiert. Die Röhre als profanes Bauteil - was sich gleich misst, klingt auch gleich. Dass sich längst nicht alle Parameter messen bzw. erfassen lassen, wird dabei außer acht gelassen. Ohne das despektierlich zu meinen, scheinen zu dieser Fraktion häufig altvordere Radio- und Fernsehtechniker zu gehören - fürderhin unbestritten in der Lage, nicht nur verletzungsfrei sondern gar virtuos mit einem Lötkolben umzugehen - die aber über wenig bis keine Erfahrung mit High-End-Audio verfügen und eine 500 €-EL34 Push-Pull-China-Gurke für eine große Errungenschaft halten.

Andere wiederum, fassen wir sie zusammen als Fraktion der "kompromisslosen Freaks", negieren zwar nicht den grundsätzlichen klanglichen Einfluss von Röhren, finden Tuberolling aber langweilig. Der kompromisslose Freak vertritt die Auffassung, dass der Klang einer Komponente in erster Linie vom schaltungstechnischen Design bestimmt werde und darüber hinaus von der Qualität der verwendeten Bauteile. Ölpapierkondensatoren, Übertrager-Kopplung, Silberinnenverdrahtung - da geht schon was. Wenn das schaltungstechnische Design nicht stimme, könne man mit einer guten Röhre auch nichts mehr retten - da stimme ich übrigens uneingeschränkt zu. Weiterhin deuteten signifikante klangliche Unterschiede verschiedener Röhren eher auf ein schlechtes schaltungstechnisches Design hin. Nun, diese Sichtweise teile ich nicht ganz, da ich sehr wohl bisweilen deutliche Klangunterschiede zwischen verschiedenen Röhrenderivaten gleichen Typs auszumachen meine, bislang aber noch nicht der Auffassung war, bei meiner Sun Audio Uchida oder meiner Audio Note M2 Phono - gleichwohl gewiss nicht "State of the Art" - handele es sich um schaltungstechnische Gurken, die ihr Licht unter den Scheffel stellen müssten...

Es gibt sicherlich noch weitere Fraktionen; diese voll umfänglich darstellen zu wollen wird jedoch nicht nur für den Leser ermüdend, sondern es erscheint mir ob ihrer Anzahl gar unmöglich. Daher folgt nun ein Erklärungsversuch, warum es insbesondere zwischen NOS-Röhren und Röhren neuer Produktion m.E. klangliche Unterschiede gibt.

Bis zum breiten technischen Durchbruch des Transistors in den 1960er Jahren war die Röhre "Stand der Technik" - ein Massenprodukt, welches fertigungstechnisch ausgereift in großen Stückzahlen produziert wurde. Verwendete Materialien und Produktionsprozesse sind über viele Jahrzehnte optimiert worden - das Wissen um den Bau einer guten, stabilen und langlebigen Röhre war allgemein bekannt in den vielen unterschiedlichen Produktionsstätten.
Heute hingegen produzieren nur noch wenige Manufakturen (Hifi-)Röhren; viel des Expertenwissens ist verloren gegangen, weil es nicht mehr verlangt war - es ist buchstäblich "ausgestorben" und einige wenige, spezialisierte kleine Manufakturen sind bestrebt, es sich wieder anzueignen, um Röhren in gleichwertiger Qualität wie vor einigen Jahrzehnten zu produzieren. Produktionsanlagen wurden damals verschrottet oder nach Asien verschifft, wo sie im Laufe der Jahrzehnte - sofern heute noch in Betrieb - gewiss nicht besser geworden sind.

Durch Umweltschutzauflagen und - zumindest für die Nische High-End-Hifi - zum Teil völlig schwachsinnige, sinnentleerte und bürokratische Regularien wie die europäische RoHS-Richtlinie dürfen bestimmte Stoffe nicht mehr oder nur noch in bestimmten Mengen verarbeitet werden. Das bedeutet, dass bestimmte Stoffe im Herstellungsprozess einer Röhre substituiert werden müssen, was nicht immer unbedingt ohne weiteres möglich ist.

Alterungsprozesse der Metalle führen dazu, dass Spannungen an Korngrenzen der Metalle abgebaut werden und dem Elektronenfluss geringere Widerstände entgegengesetzt werden. Ein Effekt, den auch bestimmte Verstärker-Hersteller durchaus erkannt haben: So lagern einige Manufakturen z.B. ihre Ausgangsübertrager aus Kupfer- oder Silberdrähten über viele Jahre ab, bevor sie verbaut werden - genau aus vorgenanntem Grund.
Gewiss gibt es noch weitere Gründe, die sich mir jedoch nicht alle in Gänze erschlossen haben und ich habe auch gewiss nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen. Aber ich habe Ohren zum Hören und bilde mir ein, sehr genau klangliche Facetten unterschiedlicher Röhren differenzieren zu können. Worin diese nun genau begründet liegen ist mir - und hier möchte ich den Sachverhalt einfach mal mit einer Plattitüde auf den Punkt bringen - völlig Banane. Ich unterstelle einfach mal, dass mich zumindest ein bis zwei Herren aus dem Raum Gröbenzell bzw. Puchheim verstehen...

Tube-Rolling macht mir einfach Spaß, und wem das zu langweilig ist, der hat meinen Segen. Ich beneide diejenigen sogar um ihre Gelassenheit. Und jedem, den regelmäßig dieses (mir durchaus bekannte) unruhige Gefühl beschleicht, ob die Röhre Y nicht eventuell doch noch besser klingen könnte als die Röhre X oder Z, die man ja schon besitzt und man sich nächtelang das Gehirn zermartert, welcher Dealer diese Röhre für mich denn wohl bereithält... dem möchte ich raten, es mit Ford Prefect zu halten, der auch schon Arthur Dent riet: "Don´t Panic!" - sich seine Sucht einzugestehen ist der erste Schritt auf dem Weg, mit ihr leben zu können...
Wie sieht es bei Euch aus, wie steht ihr zu dem Thema?

Gruß
Michael
  #2  
Alt 06.09.2013, 17:32
1Hz 1Hz ist offline
 
Registriert seit: 27.12.2012
Beiträge: 58
Standard

Hallo Michael,

im Tuberolling sehe ich eine schöne Möglichkeit für Steigerungen oder auch Abstimmungen.
Was Röhren anbelangt, kenne ich mich leider nicht aus.

Kannst Du mir sagen welche Einspielzeiten eine Röhre (6SN7 und 12AX7) braucht,
bis sie weit genug ist für eine klangliche Beurteilung?

Besten Dank und viele Grüße,
Günther
  #3  
Alt 06.09.2013, 17:44
Replace_S Replace_S ist offline
 
Registriert seit: 16.10.2012
Beiträge: 939
Standard

Hallo Günther,

das ist ein heißes Eisen mit der Einspielzeit.

Welter gab früher an, das "seine" Röhren generell nach 8 bis 10 Stunden eingebrannt seien.

Persönlich habe ich bei 12AX7 aus neuer Produktion teilweise bis zu 50 Stunden den Eindruck gehabt, das sich da noch etwas verändert. Bei 12AX7 aus alter Originalfertigung hingegen hat sich in zwei Fällen nach 10 Stunden nichts mehr verändert.

Zur 6SN7 kann ich dir leider nichts sagen, die hat bei mir noch nie irgendwo gesteckt.

Gruß
Michael
  #4  
Alt 07.09.2013, 12:47
Oliver Oliver ist offline
 
Registriert seit: 19.02.2012
Beiträge: 1.123
Standard

Hi Michael.

Der Bericht beschreibt genau das was ich selber erfahren habe und vertritt absolut meinen Standpunkt.

Gruß,
Oliver
  #5  
Alt 07.09.2013, 12:55
Replace_S Replace_S ist offline
 
Registriert seit: 16.10.2012
Beiträge: 939
Standard

Hallo Oliver,

ich für meinen Teil kann das auch bestätigen.

Und ja, Tuberolling macht Spaß. Ganz besonders, wenn sich die eine oder andere Röhre auch noch für kleines Geld finden lässt.

Gruß
Michael
 


Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge anzufügen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

vB Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.
Gehe zu



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 20:19 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.6.8 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
Powered by vBCMS® 1.2.1 ©2002 - 2017 vbdesigns.de