open-end-music-professional  

Zurück   open-end-music-professional > Audiotechnik und Hörkultur > Erfahrungsberichte
Startseite Registrieren Hilfe Benutzerliste Kalender Alle Foren als gelesen markieren

Erfahrungsberichte Hier werden echte Erfahrungen dargelegt und diskutiert

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 27.12.2014, 01:05
nofu nofu ist offline
 
Registriert seit: 10.09.2011
Beiträge: 53
Standard Nofu schaut zurück

Hallo Freunde,

beseelt von der Besinnlichkeit dieser Tage und umfangen von meiner Musik (im Moment: Tropism von Bexar Bexar) sitze ich hier auf meinem Sofa und sinniere über das zurückliegende Jahr:
2014 war sicherlich eines der Aktivsten, das ich in diesem Hobby erleben und genießen durfte.
Das begann mit der Aktion, mal aus Interesse einen Blick auf das Innenleben einer Tannoy Glenair zu werfen und zu entdecken, dass alleine von der Verkabelungsseite dermaßen viele Übergangsstellen und mäßige Kontakte vorhanden waren, die schwer auf meinem puristisch veranlagten Gemüt lasteten. Ich wußte auch, dass, wenn ich mich an dieses Thema mache, sich immer mehr Baustellen hinsichtlich Sinnhaftigkeit der vorhandenen Weiche, der Bauteilqualität und der Auslagerung der Weiche auftun mussten. Deshalb beließ ich es zunächst bei kleineren Maßnahmen wie der Umgehung des (lausigen) Terminals und einigen Bedämpfungsmaßnahmen, über die an anderer Stelle bereits sehr viele Worte geschrieben worden sind und ließ zunächst die Finger vom Projekt Weiche, war ich doch zu diesem Zeitpunkt klanglich sehr glücklich. Eine Idee, welches Potenzial noch brach lag, hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht…
Durch eine glückliche Fügung machten sich kurze Zeit darauf Bela (beci) und Mark daran, die Glenair- Weiche genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, die ersten Konzepte hören zu dürfen und meine Eindrücke in die weitere Entwicklung einfließen zu lassen. Kurze Zeit und nur wenige Iterationen später erblickte dann die Beci- Weiche das Licht der Welt. Der Vergleich zur Serienweiche fiel sehr deutlich zugunsten der Beci- Weiche aus. Ab diesem Zeitpunkt gab es für mich keinen Grund mehr, meine Glenair im suboptimalen Serienzustand zu belassen.
Ich ersetzte also die Innenverkabelung mit Kimber 4TC und 8TC und ließ mir von Bela eine externe Weiche anfertigen. Alles ohne Terminals, sondern direkt und durchgehend verkabelt.
Die Abstimmung dieser Weiche hat bis heute Bestand. In der Zwischenzeit habe ich die klangentscheidenden Bauteile wie im Signalweg liegende Spulen und Kondensatoren gegen höherwertige ausgetauscht: Hochtonkondensatoren: Audyn Tri Reference; Bassspule: Jantzen Wachs- Folie.
Tonal ändert sich dadurch nichts; es ergibt sich aber eine andere Durchlässigkeit, bzw. Mühelosigkeit in der Wiedergabe.
In Sachen Glenair gibt es daher für mich keinen weiteren Leidensdruck mehr. Alle Punkte, die mich irritierten sind ausgeräumt und es ist ein Lautsprecher entstanden, der in meinen Ohren zum Stimmigsten gehört, was ich jemals hören durfte.
Danke an dieser Stelle an Mark und Bela, den Vätern dieser klanglichen Ausnahmeerscheinung!
Während der Beschäftigung mit den Glenair und den damit in Zusammenhang stehenden Messungen habe ich das Thema Raumakustik wieder aufgegriffen und machte mir zum Ziel, den etwas schwach ausgeprägten unteren Bassbereich in meinem Raum zu linearisieren. Leider war das weder mit Lautsprecher- noch durch Hörplatzpositionierung zu erreichen.
Ich besorgte mir auf dem Gebrauchtmarkt einen regelbaren Subwoofer, der tatsächlich eine positive Wirkung entfaltete, aber von der Machart und Verarbeitung indiskutabel schlecht war. Deshalb entschied ich mich, unter der äußerst fachkundigen Beratung von Mark zum Selbstbau von voll DSP geregelten aktiven Subwoofern. Der Weg dort hin war geprägt von der Auswahl geeigneter Chassis, eines möglichst flexiblen und kräftigen Aktivmoduls und der Planung und Auslegung des Gehäuses. Auf Grundlage von Marks Simulationen fiel die Wahl dann auf 15“ Profichassis mit Papiermembran im versteiften 100 Liter Gehäuse aus schwerfoliebedämpftem 30mm Multiplex. Arbeitsname: Donnerkiste. Da mir die Autokorrektur während meiner Korrespondenz mit Mark und Bela beim Schreiben dieser Bezeichnung laufend "Donner" in "Dinner" umgewandelt hat (probiert es selbst mal), habe ich dem nachgegeben und die Dinger eben Dinnerkisten genannt. Na ja. Man gewöhnt sich auch an diesen Namen...
Konsequenterweise habe ich pro Kanal je eines dieser Monster in Betrieb. Die DSP Regelung erlaubt es mir, sämtliche Einstellungen feinfühlig vornehmen zu können. Als kleiner Nebeneffekt dehnt der Bassbereich sich jetzt auch bis unter 20Hz aus, was ja per Glenair alleine so nicht funktioniert.
Das Ganze resultiert in einem straffen, druckvollen und klangfarbenstarken Tieftonbereich. Erstaunlicherweise profitiert von der Tieftonunterstützung auch die räumliche Strukturierung und die Detaildarstellung. Alle Schallereignisse werden mit einer größeren Selbstverständlichkeit dargestellt. Dröhnen gibt es nicht. Faszination pur, Rausch der Tiefe...
So kann es doch bleiben, oder?
Nun ja, Lautsprecherseitig sicherlich. Aber man kennt mich ja hauptsächlich als ‚Stromfreak‘. und da hatte ich noch die ein- oder andere Idee, deren Verwirklichung mich noch juckte:
Nach wie vor bin ich bezüglich Stromkabel dem Viablue X60 verfallen. Alle meine Geräte inklusive Netzleiste sind damit ausgestattet.
Da ich in der Zwischenzeit einer ganzen Reihe von Freunden und Mitforisten Netzleisten anfertigen durfte und darunter auch einige recht exotische Spezialanfertigungen waren, wollte ich mir selbst auch mal eine Freude machen und baute mir eine eigene neue Leiste. Nicht zuletzt, weil die originale Nofuleiste bei näherer Betrachtung doch ein ziemlich grob gehauener Klotz war. Ausgestattet ist meine neue Leiste quasi als Special Edition mit den noblen Furutech Einbausteckdosen. Optisch ist das ein Leckerbissen, aber klanglich empfinde ich keinerlei Unterschiede zu meinen standardmäßigen vergoldeten Einbaudosen. Den Versuch war’s aber auf jeden Fall wert.
Abschluss und Krönung der ganzen Stromgeschichte habe ich mir vor einigen Tagen gegönnt und habe mir von meinem Haus- und Hof- Elektriker das X60 jetzt endlich komplett bis zum Sicherungskasten durchverkabeln lassen. Diese Operation beanspruchte fast einen ganzen Arbeitstag, aber der positive Einfluss ist den Aufwand mehr als wert. Wer das X60 kennt, weiß um dessen ‚Charakter‘: Räumlichkeit bis zum Abwinken, Klangfarben und ein schwer zu beschreibendes Gefühl von alles ist ‚da‘ im Sinne von körperlicher Greifbarkeit. Gefällt mir sehr gut. Ich hatte zwar vorher schon eine direkte Verkabelung bis an den Sicherungskasten, jedoch zu Anfang mit einem (geschirmten) Lapp Ölflex Classic. Das klang total dumpf, sumpfig und total verhangen und habe ich schon nach 2 Wochen wieder rausgeschmissen. Danach kam ein 3x2,5 qmm NYM-J Installationskabel. Das war klanglich hervorragend und für jeden ein heißer Tipp, der sich eine separate HiFi- Leitung gönnen, aber sich nicht finanziell ruinieren möchte. Ersetzt habe ich es im vergangenen Jahr durch ein 3x6 qmm NYM-J, das klanglich aber nicht ganz an das 2,5er herankam. Weshalb auch immer.
Nun sitze ich hier und schwelge in meinem Klangbad. Ganz kurz zuckt mir das Wort "Angekommen" durch meinen Kopf, aber mal ehrlich, glaubt da einer wirklich dran?
Eher nein. Ich würde sagen: Mit der La Rosita Alpha+, dem 2er Emitter, der Bela- Glenair, den Dinnerkisten und dem Viablue Netzkonzept steht für mich ein ganz passabler Rahmen, mit dem sich in absoluter Zufriedenheit Musik hören lässt. Raum für kleinere Experimente oder Veränderungen, sei es auf der NF- oder LS- Kabelseite oder in Form von Basen oder Unterstellfüßen gibt es immer wieder. Wie gesagt: im Sinne von ‚anders'. Ob es ‚besser‘ geht, das wird die Zeit zeigen...
In diesem Sinne allen, die so tapfer waren und jetzt noch mitlesen, ein spannendes und gutes neues Jahr 2015!

Viele Grüße

Markus
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 27.12.2014, 10:32
cay-uwe cay-uwe ist offline
Sonus Natura
 
Registriert seit: 03.12.2008
Beiträge: 2.424
Standard

Hallo Markus,

danke für Deine netten und informativen Zeilen

Ich wünsche Dir für 2015 weitere interessante Highlights.
__________________
Happy listening, Cay-Uwe

http://www.sonus-natura.com/
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 27.12.2014, 12:30
Andi Andi ist offline
 
Registriert seit: 21.03.2013
Beiträge: 691
Standard

Moin Markus,

schön, dass Du mal wieder zu Wort meldest und dann gleich mit einem derart geilen Bericht, super. Ich hätte noch den kleinen Tipp für Dich mal Harald´s Klang zu probieren.

Viele Grüße

Andi
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 28.12.2014, 15:15
beci beci ist offline
 
Registriert seit: 04.02.2013
Beiträge: 510
Standard

Danke Markus für den tollen Zusammenfassung.
Bekommen wir eventuell noch paar Bilder zu sehen?
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 28.12.2014, 23:14
Ted Ted ist offline
 
Registriert seit: 30.10.2013
Beiträge: 1.804
Standard

Da schreibt der Mann mal, und dann direkt ein Buch. ;-)

Hast du dir das X60 mit Schirmung verlegen lassen? Wie kriegt man das in die Wand und an welche Dose passen 6mm²?

LG
Jörg
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 29.12.2014, 00:31
nofu nofu ist offline
 
Registriert seit: 10.09.2011
Beiträge: 53
Standard

Hallo Freunde,

vielen Dank für's Feedback!

Werde in Zukunft auf jeden Fall noch ein bisschen was hinsichtlich Kabelage probieren. Derzeit überrascht mich ein Nordost Red Dawn NF auf's Positivste. Dachte, die Nordost- Sachen klingen blass und blutleer. Welch ein Irrtum...

Bilder habe ich leider nur veraltete. Wenn ich wieder welche mache, stelle ich sie ein...

Das X60 habe ich natürlich mit Schirmung verlegen lassen.
Da über meinem Hörraum der (noch) unbewohnte Dachboden liegt, habe ich das Kabel durch die Decke gezogen und auf dem Dachboden zwischen den Deckenbalken unter dem Dielenboden verlegt. Das Ganze geht von dort durch ein Leerrohr direkt in den Sicherungskasten. Saubere Sache.
In meinem Raum mündet das Ganze in einem Kabelkanal mit Furutech FP SWS Gold Steckdose. Die nimmt locker die 6qmm des X60 auf.

Viele Grüße

Markus
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 20.10.2015, 12:48
nofu nofu ist offline
 
Registriert seit: 10.09.2011
Beiträge: 53
Standard

Hallo Freunde,

ich möchte euch mal wieder rückblickend an meinen Erlebnissen des zurückliegenden Jahres teilhaben lassen.


Bei mir hat sich erneut unerwartet viel in Sachen guter Musikwiedergabe getan, allerdings nicht so sehr geräteseitig, sondern eher im Hinblick auf meine Hörumgebung.
Ich habe in den zurückliegenden Monaten einige recht impulsive und im Nachhinein betrachtet sehr leichtsinnige Entscheidungen getroffen und musste enorm viel dazulernen, um die resultierenden Probleme zu lösen. Daraus sind Erfahrungen entstanden, die für mich persönlich mittlerweile unverzichtbar geworden sind.

Vielleicht dienen meine Erlebnisse daher auch für den einen oder anderen als Anregung abseits des zwar unterhaltsamen aber auf Dauer unbefriedigenden ‘Gerätchen/Böxchen/Käbelchen- wechsel Dich‘- Spiels, um sich aktiv mit seiner Hörumgebung zu beschäftigen und möglicherweise noch ein Quäntchen mehr Wiedergabequalität, das in den allermeisten Geräten schlummert, hinzugewinnen zu können.

Der Ausgangspunkt im vergangenen Jahr war ja der, dass im Hause Nofu eitel Sonnenschein herrschte (und das im Dezember!!!). Klanglich meine ich natürlich.
Nun, wie sagt man so schön? Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis Tanzen. Und genau das habe ich getan. Aus einem Impuls heraus beschloss ich, dass man doch mal den Hörraum renovieren könnte. Das wäre wohl nicht weiter schlimm gewesen, wenn es beim Streichen der Wände geblieben wäre, denn Zimmer ausräumen, Wände streichen und wieder einräumen hätten eine Sache von maximal zwei Tagen gewesen sein können. Die Folgen wären überschaubar geblieben, da die Position der Anlage, des Hörplatzes und der Lautsprecher sehr gut reproduzierbar sind. Natürlich musste in dem Zuge auch ein neues Sofa her, da das alte im ‘Sweet Spot‘ zugegebenermaßen schon recht in Mitleidenschaft gezogen war. Natürlich musste das Neue ein Ledersofa sein. Achja, der Teppich könnte ja bei der Gelegenheit auch gleich ersetzt werden. Und die Regale an den Wänden? Hm. Zum Streichen müssen sie sowieso weg. Außerdem waren sie nicht wirklich hübsch. Die CD- Sammlung hinter meinem Hörplatz? Staubfänger! Außerdem streame ich seit Jahren ausschließlich. Also auch weg damit. Lediglich von meiner Schallplattensammlung will und werde ich mich nicht trennen.

Natürlich war die Farbe an den Wänden noch nicht ganz trocken, als ich schon wieder angefangen habe, das Zimmer einzuräumen und die Anlage zu verkabeln. Ich kann so lange nicht ohne meine Musik sein, ohne an schwerstem Entzug zu leiden. Also erstmal alles, was unbedingt zum Musikhören notwendig war eingeräumt, die Basotect Absorber grob im Zimmer verteilt, denn Raumakustik ist ja wichtig. Und dann Musik an: Von den liebgewonnenen Qualitäten meiner Anlage wie der enormen Raumdarstellung, der intimen und lebensechten Darstellung von Stimmen und Einzelinstrumenten und der Fähigkeit, den Zuhörer mitten in die Musik zu ziehen war kaum noch etwas übrig. Wie konnte das denn sein? Sollte das alles an den paar Regalen und dem Austausch Stoff- gegen Ledersofa liegen? Sollte die Ausstattung des Raumes abseits von den Akustikelementen, die ich ja eingesetzt habe, über klangliches Wohl oder Wehe entscheiden? Für mich ganz harter Stoff, den ich in den folgenden Tagen erstmal verarbeiten musste. Ich räumte darauf also wieder Schränke, Regale usw. zurück ins Zimmer. Der eigentliche Plan war zwar, meine Bude etwas strukturierter zu gestalten. Deshalb dachte ich, dass ohne viele Möbel nur unter Einsatz von Akustikelementen eine ansprechende Wiedergabe möglich sei. An dieser Vorgabe bin ich grandios gescheitert. Aber mehr noch: Der wieder mit Möbelstücken angefüllte Raum klang jetzt zwar schon besser, aber weder die klangliche Faszination noch die üppige Raumdarstellung mochten sich mehr einstellen. Auch tonal hatte ich leichte Schieflage zu verzeichnen. Dadurch, dass ich einfach undefiniert den Raum wieder vollstellte, muss ich einigen Frequenzbereichen in Kombination mit den Akustikelementen viel zu viel Energie entzogen haben, was zu einem sehr merkwürdigen Effekt führte: In der Musik war einerseits für meine Begriffe zu wenig Fleisch und Blut, andererseits klang es dennoch zu warm und heimelig. Leblos und aufgedunsen. Zu dieser Zeit hatte ich einige Besucher zu Gast. Einer davon ist hier im Forum bestens bekannt und ein echter Auskenner. Leider habe ich nach seinem Besuch nichts mehr von ihm gehört. Möglicherweise seine Art der Höflichkeit, sich nicht im Nachhinein zum Gehörten mir gegenüber äußern zu müssen…

Umso erbarmungsloser erwischte mich dann meine Frau. Sie hat die Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit zu erkennen, wenn irgendwas nicht passt und auch recht genau einzugrenzen, wo der Fehler liegt. Bei mir dauert so ein Prozess im besten Fall mehrere Tage. Nach dem Hören ihres Lieblingsliedes (Back from Managua von The Blessing) lachte sie mich an/aus und sagte: So schlecht habe ich das bei dir noch nie gehört!
OK... Ich schluckte und erkannte zwei Lösungswege:

Weg 1: Hobbyaufgabe. Kapitulation. Vielleicht Forellen züchten oder Figürchen aus Kastanien und Streichhölzern basteln.
Hm.

Das war mir dann aber doch etwas zu saisonal und ich entschloss mich für:

Weg2: Ich fange wieder bei ‘0’an und gehe diesmal etwas systematischer vor.
Und das haben wir dann auch so praktiziert: Raum bis auf die Anlage ausgeräumt und stückweise wieder eingeräumt. Diesmal zuerst die Möbel und danach die Akustikelemente. Daraus resultierte die wichtige Erkenntnis, dass auch der Standort der Möbel eine wichtige akustische Rolle spielt. Ich habe nun meinen Hörplatz weiter nach vorne verlegt. Dafür ist die Basisbreite meiner Glenairs mit 2,60m etwas größer. Hinter meinem Hörplatz sind zwei Regale gefüllt mit Büchern, Zeitschriften und sonstigem Kram. Das Wichtige dabei ist, eine gewisse Balance zu bewahren. Zu viel Material in den Regalen und man hat ein unangenehm drückendes Gefühl von hinten auf den Ohren. Zu wenig und es beginnt schon leicht zu hallen und das Klangbild verliert Definition.
Nach den Möbeln ging es an die Bekämpfung der Flatterechos, für die ich dann die Akustikelemente an den entsprechenden Stellen aufgehängt habe. Bis zu dieser Stelle habe ich das Ganze empirisch und nur mit Hilfe meiner und den Ohren meiner Helferlein erledigt. Mittels REW habe ich dann erste Messungen der Raumakustik unternommen mit dem Ziel, die Nachhallzeit und die frühen Reflexionen zu untersuchen und möglichst zu verbessern. Das Ergebnis war bereits überraschend gut. Besser musste aber immer noch gehen und so habe ich noch, wie man das als echter Akustikcrack so macht, die seitlichen Erstreflexionen weggedämpft.
Und Zack, war ich schon wieder um eine Negativerfahrung reicher: In einer Wohnumgebung ist es nicht immer ratsam, sich als Ideal eine möglichst trockene Studioakustik zu basteln. Seitliche Reflexionen sind per se nicht immer als das ultimativ Böse anzusehen, sondern können gemeinsam mit dem in der Musikaufnahme gegebenen Raum integrativ wirken, sodass sich eine Natürlichkeit einstellt. Wir können den vorhandenen Raum nicht komplett eliminieren. Deshalb sehe ich es mittlerweile als besser an, mit dem Raum zu arbeiten, als gegen ihn.

Diese Erkenntnis zeigte sich auch in einem Nebenprojekt, das ich neben der Raumoptimierung durchgeführt habe: Dem Bau von Diffusoren. Da ich gemerkt habe, dass ich bei reinem Einsatz von Absorbern an Grenzen stoße, die mir die Raumakustik ins Ungenießbare kippen lassen, und ich schon immer die Optik von Skyline Diffusoren reizvoll fand, beschloss ich den Selbstbau von Diffusoren. Mit Hilfe von QR Dude baute ich zunächst einen N=23 Diffusor: ca. 45 Meter 40x40mm Holzlatten und über 40kg Gewicht. Bauzeit fast eine Woche...
Den wollte ich eigentlich hinter meinem Hörplatz anbringen, bevor die Regale Einzug hielten. Ergebnis: seltsam verfärbtes Klangbild. Auch an der Wand hinter den Lautsprechern ergab sich keine Harmonie. Das Klangbild war –jetzt bitte nicht lachen- diffus…
Es stellte sich keine Ortbarkeit und Lokalisierungsschärfe mehr ein. Was tun? Für meinen Raum war das Ding unbrauchbar; zu schade, um es durch den Kamin zu feuern. Jetzt hängt er als Dekoobjekt in unserem Wohnzimmer. Meine Frau gab zu, dass sie die Optik ebenfalls klasse findet und freute sich wie ein Schneekönig, als der Diffusor dann das Wohnzimmer schmückte.
Neben dem großen Diffusor habe ich noch kleinere N=17 Diffusoren gebaut, die ich zunächst ebenfalls an der Rückwand des Raumes angebracht hatte, die aber eine weit bessere Wirkung an der Decke entfalten und Basotect Absorber ersetzen, die bei mir immer ein etwas von oben drückendes Gefühl erzeugten.

Als alter BastelWastel habe ich mich in letzter Zeit auch am Bau eines Plattenresonators versucht. Die Wirksamkeit war messtechnisch sehr gut nachzuweisen, aber nach mehreren hin- und her Versuchen ergab sich, dass die positiven Wirkungen (Reduzierung der Nachhallzeit) von negativen Effekten überlagert waren. So musste ich einige unerwünschte Auslöschungen im Frequenzgang feststellen, die sich auch gehörmäßig deutlicher auswirkten als die Reduzierung der Nachhallzeit. Den Plattenresonator habe ich dann kurzerhand in einen Helmholtzresonator umfunktioniert, der jetzt optimal passt.
Während der Recherche nach Akustikelementen bin ich über die folgende Seite gestolpert: acousticmodelling.com und habe die Idee für einen Multi Layer Absorber aufgegriffen und umgesetzt. Das Ergebnis ist beeindruckend. Ich habe mir in den zurückliegenden Wochen 5 Stück perforierte Absorber gebaut und muss sagen, dass das Klangbild damit wie neu fokussiert wirkt. Große Klasse. Davon werde ich mir noch mehr bauen und meine Basotect- Höhenkiller Schritt für Schritt ersetzen. Mal sehen, wann und ob damit eine Sättigung eintritt.
Für den Moment bin ich jetzt raumakustisch mehr als glücklich mit dem Erreichten. Von einem Alptraum zu einem –wie ich finde- überaus annehmbaren Hörraum, der mir Stand heute sogar noch ein bisschen besser gelungen erscheint als die Situation vor der Renovierung.

Bei den Leuten, die mich seit Januar besucht haben muss ich mich entschuldigen: Ihr habt wahrscheinlich ein etwas schiefes Bild von Nofus LaLa bekommen, seid aber alle nochmal herzlich eingeladen. Genauso wie alle anderen, die sich dafür interessieren, wie es bei mir klingt.

Nicht zuletzt auch aus dem Grunde, dass ich einen Neuzugang zu verzeichnen habe. Im Forum ist es –zu Unrecht- sehr still um den Beci- Streamer geworden. Ich hatte die einzigartige Gelegenheit, diesen Beci Streamer ausführlich mit meiner La Rosita Alpha + und einer Beta zu vergleichen. Vorab: alle drei sind ganz hervorragende Musikmaschinen, von denen jede ihre kleine Charaktereigenschaft hat. So spielt die Alpha+ im Vergleich sehr rund, musikalisch und niemals aggressiv leider gehen dadurch aber ein paar musikalische Nuancen verloren. Die Beta dagegen löst höher auf und spielt gefühlt neutraler, was auch immer man darunter verstehen kann Für mich kommt an dieser Stelle auch ein leicht technischer Geschmack hinzu, der möglicherweise auf Dauer störend wirken könnte. Der Beci Streamer ist der Dynamische dieses Trios und ergänzt dadurch die Kombination aus Emitter II und modifizierter Glenair auf für meine Begriffe ideale Weise. Er steht in der Auflösungsfähigkeit einer Beta nicht nach, bleibt aber dabei ähnlich der Alpha+ immer rund und musikalisch. Ein tolles Gerät. Bela hat sein Testmuster logischerweise nicht mehr von mir zurückbekommen, obwohl ich mir im Vorfeld optisch, bzw. funktional noch die ein- oder andere Änderung gewünscht hätte. Z.B. gehört für mich ein Netzschalter auf die Vorderseite. Aber das lässt sich zukünftig sicherlich noch regeln. Meine Alpha+ bleibt mir aber dennoch in jedem Fall erhalten. Es soll jetzt auch für die älteren Modelle ein neues Upgrade geben, das ich mir bei Gelegenheit gönnen werde. Mal sehen, wie sich die Verhältnisse dann darstellen.

Ein kurzes Wort noch zu meiner Kette: Abgesehen vom Neuzugang des Beci Streamers hat sich bei mir nichts getan. Die von Beci modifizierte Glenair mit externer Weiche ist ein echter Geniestreich und legt noch so viel musikalische Information frei, die mit der Serienweiche verschüttet blieb. Eine für mich ideale Konstellation. Auch die ‚Dinnerkisten‘ haben sich absolut bewährt. Aufgrund der Raumakustischen Maßnahmen und der etwas veränderten Positionen musste ich die Einstellungen anpassen, was per DSP nur eine Sache von Minuten ist.

Stromkabelseitig bin ich mit meinem Viablue X60 weiterhin an allen Geräten bestens bedient. Dieses Kabel ist ein echtes Phänomen. Sowohl klanglich als auch vom Preis/ Leistungsverhältnis. Es gehört ja mittlerweile schon fast zum guten Ton, für ein Stromkabel einen vierstelligen Betrag aufzurufen. Da geht mir persönlich manchmal der Hut hoch. Nicht zuletzt, wenn ich vielerorts sehen muss, dass die verwendeten Stecker quasi die Gleichen sind, die ich selbst für die Konfektionierung verwende.

Ich habe in einem meiner letzten Posts recht vollmundig Fotos von meinem Raum angekündigt. Seid mir bitte nicht böse, aber ich werde davon absehen. Wer sich für meine Anlage interessiert, ist, wie oben bereits erwähnt, herzlich eingeladen.

OK. So weit meine Erlebnisse. Jetzt Ihr!

Viele Grüße

Markus
Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 20.10.2015, 12:54
kopfnuss kopfnuss ist offline
Gesperrt
 
Registriert seit: 23.02.2015
Beiträge: 114
Standard

Markus,
herzlichen Dank für Deinen, wie immer sehr aufschlussreichen und mit viel Liebe zum Detail versetzten Erlebnisberichts des aktuellen Jahres.
Man merkt, das hier ein echter Musikfreund die Feder führt und ich wäre froh, wenn es hier mehr solcher Erfahrungsberichte geben würde.

Und zum Viablue X60 meine vollste Zustimmung. Eines der besten Kabel am Markt. Sehr musikalisch und feinzeichnend. Ein Erlebnis, mit diesem Kabel Musik zu hören. Und für den aufgerufenen Preis ein wahres Schnäppchen.
Mit Zitat antworten
  #9  
Alt 20.10.2015, 14:08
maasi maasi ist offline
 
Registriert seit: 28.12.2008
Beiträge: 706
Standard

Hallo Markus,

toller Bericht . Hat mir viel Spaß gemacht beim lesen.

Ja, die Raumakustik ist sooo wichtig.

Aber das ist schon eine diffizile Materie (siehe bei Dir: Plattenresonator, Dämpfung der seitlichen Erstreflexionen und "passende" Menge an Basotec usw. usw.). Wie heißt es schön, Versuch macht kluch ...

VG Uli
Mit Zitat antworten
  #10  
Alt 21.10.2015, 15:19
nofu nofu ist offline
 
Registriert seit: 10.09.2011
Beiträge: 53
Standard

Hallo Freunde,

vielen Dank für euer Feedback.
Leider ist es anhand der spärlichen Resonanz offensichtlich, dass das Interesse für das Thema Raumakustik/Hörumgebung doch recht begrenzt ist. Wohl auch deshalb, weil es einerseits kein allgemeingültiges Standardrezept für den Erfolg gibt und man andererseits ohne den Einsatz von Messtechnik weitgehend im Dunkeln tappt. Wie dem auch sei. Ich persönlich bin jetzt im Nachhinein sehr froh, die Aktion zu einem guten Ende gebracht zu haben.
Dies hat mir nicht zuletzt mal wieder mein gestriger sehr intensiver Hörabend mit Hope Sandoval & The Warm Inventions und danach mit Lustmord The Word As Power vor Augen geführt.

Viele Grüße


Markus
Mit Zitat antworten
Antwort


Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge anzufügen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

vB Code ist An.
Smileys sind An.
[IMG] Code ist An.
HTML-Code ist Aus.
Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Zu Besuch bei Nofu BenCologne Als Gastgeber und als Gast 5 09.07.2015 21:22
Wieder zurück Franz Bekanntmachung 25 05.01.2015 01:07
Zurück an Bord jororupp Bekanntmachung 12 30.05.2014 17:09
Nofu Netzleiste 2.0 Ted ViaBlue Forum - edle Kabel und Zubehör 69 07.02.2014 20:33
Nofu BenCologne Als Gastgeber und als Gast 1 27.01.2014 22:06



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 23:42 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.6.8 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
Powered by vBCMS® 1.2.1 ©2002 - 2017 vbdesigns.de