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  #1  
Alt 23.06.2009, 14:53
Franz Franz ist offline
 
Registriert seit: 28.11.2007
Beiträge: 8.821
Standard The the - Mind Bomb



Vertraut man privaten Statistiken, muß es eine unübersehbare Menge von Leuten geben, die vor zehn Jahren musikhistorisch völlig versagt haben - die das ganze Jahr 1983 über die Öffentlichkeit mieden, nie zum Tanzen gingen, allen Feten auswichen und sich in jenem Jahr und allen folgenden verboten, populäre Musik zu kaufen. Ihnen allen ist entgangen, wie damals ein großer Junge 21jährig nicht aufhören wollte, mit seiner Pubertät zu ringen, und diesem Projekt einen Namen gab, der lautete: The The.
Nun, die Wahrheit ist nicht wie die Feuerwehr; für die Wahrheit ist es nie zu spät.
Der große Junge kommt aus London und heißt Matt Johnson. 1983 legte er ein großartiges Album vor, „Soul Mining". Wer wollte, dem blies es die vom Punk verklebten Ohren frei und klappte sie auf in Richtung neunziger Jahre, den sandte es mit minimah'stischen, treibenden Rhythmen durch die Verwüstungen einer pickligen Seele. „Wie soll mich jemand kennen können, wenn ich mich selbst nicht einmal kenne", sang Johnson. Hat den Buam niemand kennt, nun war er da - früh vollendet mit 21 Jahren, unreif und perfekt zugleich.
Nur natürlich, daß sich schon in diesem Alter die Geheimratsecken in Matt Johnsons Stoppelfrisur fraßen. Das hatten die Fans gleich herausbekommen, 1983, und außerdem, daß er aus dem proletarischen East End stammte, die Eltern einen Pub führten und ihr Zögling mit fünfzehn Jahren von allen Schulen geflogen war. Solcherart erwiesen unfähig, hatte er in einem Plattenstudio Tee kochen dürfen, bis man ihm ein paar Regler zum Spielen überließ. Er übte auf einer Single und zwei Soloalben, von denen nur eines veröffentlicht wurde („Burning Blue Soul"; das andere hieß „The Pornography Of Despair", Johnson ließ es nie in eine Plattenpresse wandern).
Danach erst nahm The The wirklich Form an. Matt Johnson war nur mehr Projekt und wurde damit zum Helden für Leute, die schon immer vom praktizierten Nihilismus geträumt hatten, von Radiosendern, die „Leere Welle" hießen, von Tageszeitungen namens tageszeitung und Waschmitteln, auf denen nur „Waschmittel" stand. Auf eine Popband ä la „Die Die" hatten diese Leute gewartet.
Nun, es waren nicht so viele, wie es hätten sein sollen. The The legte nach: „Infected" von 1986, das nüchterne Meisterwerk, faßte die Verheerungen durch Reaganomics und Thatcherismus früh in ewige Zeilen. „Mind bomb" von 1989 beschrieb voll verschämtem Pathos Ideologiekrämpfe, die immer aktueller werden. Im Dreijahresabstand quält sich der Mensch Matt Johnson ein Werk ab, kindlich; er kann nicht aufhören, ehe er völlig fertig ist.
Es gibt, und das ist eine seltene Qualität, kaum ein Lied auf diesen Platten, das sich durch Abhören verbraucht - eher sägt sich der Laser durchs CD-Acryl. Das ist der Grund, warum die praktizierenden Nihilisten alles verzeihen, auch die Bühnenauftritte, mit denen The The nach „Mind Bomb" anfing, die oft mechanisch wirkten, schlecht abgemischt waren und von einem mäßig geschmackvollen Bühnenlayout beherrscht. Die Gemeinde verschlingt sogar die Interviews, in denen Matt Johnson die Musikjournalisten stundenlang durch seine Innereien führt, um sie dann mit ein paar Grillen abzuspeisen, die allem widersprechen, was er je zuvor behauptet hat. Wenigstens scheint er jetzt keinen Sprit mehr dazu zu trinken.

Klassiker vor der Zeit, ist Johnson heute zum Zitator der eigenen Unrast geworden. Wer kann mit 31 Jahren noch ernsthaft pubertieren? „Manchmal scheint es mir, je mehr ich verlange, desto weniger kriege ich", so singt er auf dem neuen The-The-Album „Dusk, und: „Jeder weiß, was schiefläuft mit dieser Welt, aber ich weiß nicht einmal, was in mir los ist. Ich bin nur eine Gefühlslupenwiedergabe von dem, der ich einmal war" (das Lied heißt „Slow Emotion Replay").
Gott, Macht, liebe, Küchenphilosophie - Matt Johnson kokettiert mit den alten Themen, aber nun tritt er schon den Blues nach Lehrbuch, macht
Matt Johnson besingt die Langsamkeit der Gefühle den Soul jaulen und quetscht wirkungsvoll seine Stimmbänder dazu, produziert einen heimlichen Ohrwurm nach dem anderen, melodiös, klassisch. Mühelos erliegen ihm auch Leute, die 1983 Watte in ihre Ohren gestopft haben.
Unter dem Einfluß von Johnny Marr, dessen Gitarrenspiel früher die Smiths adelte und der seit „Mind Bomb" Johnson zur Seite steht, wird eine normale Band aus The The. Und was wird aus dem egomanen Matt Johnson, der das Musikerdasein umkehrte und eine mysteriöse Solokarriere zu Ende brachte, bevor er sich mit den Niederungen des Bandlebens herumzuschlagen begann? Dem Mann steht nun nichts mehr im Weg, nicht einmal er selbst. Vielleicht wird er zum Frank Sinatra des nächsten Jahrtausends. Klemens Polatschek
http://www.zeit.de/1993/21/Schoen-war-die-Pubertaet

Dieses Album hat mich in den Bann gezogen. Was anfangs sehr fremdartig, gar verstörend wirkte, fasziniert mich, je öfter ich es anhöre.

Gruß
Franz

Geändert von Franz (23.06.2009 um 15:01 Uhr).
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  #2  
Alt 23.06.2009, 16:18
wirbeide wirbeide ist offline
it´s only m.a.e.-admin
 
Registriert seit: 29.11.2007
Beiträge: 5.474
Standard AW: The the - Mind Bomb

Mensch, Franz,

jetzt haste mich in der Vergangenheit schwelgen lassen

The the, habe ich mal Live gesehen, in Darmstadt, waren die 90er.

Auch, stell´ ich mit Entsetzen fest, dass was in meiner Sammlung fehlt

The the, ein Must Have, sag ich...

me
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  #3  
Alt 24.06.2009, 08:53
Speedy Speedy ist offline
 
Registriert seit: 21.02.2009
Beiträge: 1.208
Standard AW: The the - Mind Bomb

Hallo Franz,

die Mind Bomb war auch mein Einstieg in die Welt von The The. Tolle Musik, genau wie Soul Mining, Dusk und Infected.

Beste Grüße
Speedy
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