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Ungesichertes Audio-Wissen Hier versuchen wir, Wissen zu schaffen

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  #1  
Alt 05.05.2017, 13:32
tmr tmr ist offline
 
Registriert seit: 02.01.2009
Beiträge: 1.868
Standard Digital vs. Analog

Hallo,
Heute will ich mal einen Gedankenschnipsel zum Thema "Digital vs. Analog" loswerden.

Mittlerweile bin ich zu der (nicht sehr überraschenden) Ansicht gelangt, daß man mit "digital" so gut "analog" hören kann, wie man es mit mit "echtem" analogen Equipment garnicht in der Lage ist.
Auf die euphonischen Störkomponenten wie Klirren, Rauschen und mangelnde Übersprechdämpfung will ich garnicht eingehen, sowas braucht man nicht, wenn die Aufnahme gut ist.

Der Fremdspannungsabstand meiner Anlage ist so hoch, daß man sein Ohr direkt in das Hochtonhorn (106dB/W/m) stecken muß, um ein sehr, sehr leises Rauschen zu hören.
Vorausssetzung dafür ist natürlich auch die Beseitigung aller Störkomponenten auf Netz- und Datenleitungen.
Soweit, so gut.

Was mich irritiert, daß bei meinen alten Aufnahmen aus den 60-80igern (die mittlerweile alle auf dem NAS liegen) ebenfalls so gut wie nie ein Rauschen zu vernehmen ist (von den Decca-Classics mal abgesehen).

Das kann eigentlich nicht sein.


Ich unterstelle daher, daß fast alle Aufnahmen nach Digitalisierung und Remastering mehr oder weniger brutal entrauscht wurden.
Dabei sind unvermeidlich auch höherfrequente Nutzanteile, die für Luftigkeit, Impulsverhalten und die gewisse Aufnahme-Präsenz verantwortlich zeichnen, verloren gegangen.

Ich würde sogar soweit gehen, daß die Präferenz viele Hörer (mit ausgeprägter Hörbildung und guten Anlagen) für analoge Wiedergabe genau auf diesen Punkt zurückzuführen ist. Dafür hätten sie mein vollstes Verständnis.
Wer die Original-Aufnahmen wirklich hören will, muß analog hören. Leider. Ich selbst habe nichts Analoges mehr in meiner Kette.

Es ist also keine Sache der Technik, sondern des Mediums.
Es wäre schön, wenn da langsam ein Umdenken bei der Bearbeitung alter Aufnahmen stattfinden würde.
Allerdings ist für die meisten "normalen" Konsumenten eine rauschende CD ein NoGo. Ein Dilemma.

Gruss

Thomas
__________________
http://www.highfidelity-aus.berlin/
Gewerblicher Teilnehmer

Geändert von tmr (05.05.2017 um 13:42 Uhr).
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  #2  
Alt 05.05.2017, 13:48
Franz Franz ist offline
 
Registriert seit: 28.11.2007
Beiträge: 8.948
Standard

Dem kann ich mich nur anschließen, Thomas. Insbesondere, was deinen Wunsch nach der Bearbeitung älterer Aufnahmen betrifft. Es wird viel zuviel regelrecht "weggebügelt". Das betrifft auch Hallanteile älterer Aufnahmen. Ich hab hier z.B. 2 ältere Aufnahmen von Roy Orbison, wo auf einer die Hallanteile weitestgehend belassen wurden und auf der anderen weggebügelt wurden. Die mit den Hallanteilen wirkt viel echter, angenehmer, einfach schöner. Es handelt sich dabei um die hier:






Geändert von Franz (05.05.2017 um 13:51 Uhr).
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  #3  
Alt 05.05.2017, 14:05
Truesound Truesound ist gerade online
 
Registriert seit: 29.07.2011
Beiträge: 3.594
Standard

Zitat:
Zitat von tmr Beitrag anzeigen
Hallo,
Heute will ich mal einen Gedankenschnipsel zum Thema "Digital vs. Analog" loswerden.

Mittlerweile bin ich zu der (nicht sehr überraschenden) Ansicht gelangt, daß man mit "digital" so gut "analog" hören kann, wie man es mit mit "echtem" analogen Equipment garnicht in der Lage ist.
Auf die euphonischen Störkomponenten wie Klirren, Rauschen und mangelnde Übersprechdämpfung will ich garnicht eingehen, sowas braucht man nicht, wenn die Aufnahme gut ist.

Der Fremdspannungsabstand meiner Anlage ist so hoch, daß man sein Ohr direkt in das Hochtonhorn (106dB/W/m) stecken muß, um ein sehr, sehr leises Rauschen zu hören.
Vorausssetzung dafür ist natürlich auch die Beseitigung aller Störkomponenten auf Netz- und Datenleitungen.
Soweit, so gut.

Was mich irritiert, daß bei meinen alten Aufnahmen aus den 60-80igern (die mittlerweile alle auf dem NAS liegen) ebenfalls so gut wie nie ein Rauschen zu vernehmen ist (von den Decca-Classics mal abgesehen).

Das kann eigentlich nicht sein.


Ich unterstelle daher, daß fast alle Aufnahmen nach Digitalisierung und Remastering mehr oder weniger brutal entrauscht wurden.
Dabei sind unvermeidlich auch höherfrequente Nutzanteile, die für Luftigkeit, Impulsverhalten und die gewisse Aufnahme-Präsenz verantwortlich zeichnen, verloren gegangen.

Ich würde sogar soweit gehen, daß die Präferenz viele Hörer (mit ausgeprägter Hörbildung und guten Anlagen) für analoge Wiedergabe genau auf diesen Punkt zurückzuführen ist. Dafür hätten sie mein vollstes Verständnis.
Wer die Original-Aufnahmen wirklich hören will, muß analog hören. Leider. Ich selbst habe nichts Analoges mehr in meiner Kette.

Es ist also keine Sache der Technik, sondern des Mediums.
Es wäre schön, wenn da langsam ein Umdenken bei der Bearbeitung alter Aufnahmen stattfinden würde.
Allerdings ist für die meisten "normalen" Konsumenten eine rauschende CD ein NoGo. Ein Dilemma.

Gruss

Thomas
Hallo Thomas,

das Entrauschen wird eigentlich schon lange angewendet. Es wird ein Fingerprint an einer modulationsfreien Stelle genommen und das wird dann aus der Aufnahme herausgerechnet....
Wie stark das jeweils von der Dosierung angewendet wird und wie das Klangbild dann weiter daraufhin kompensierend bearbeitet wird ist halt Sache der Ästhetik des Bearbeiters...

Es gibt natürlich uralte Masterbänder aus den 1950er Jahren und wie die sich unbearbeitet anhören möchte heute niemand mehr wirklich hören...es wird auch Fälle geben wo mit dem Tool aber zu viel des vermeintlich gutem angestellt wurde....

Das ist ähnlich wie bei der digitalen Fotobearbeitung auch.... eine Frage der Ästhetik und des Geschmacks...

Grüße Truesound
__________________
Wer in Zukunft nur noch mit der Maus wild herumklickt und irgend etwas erzeugt, von dem er garnicht wissen will, wie es zu Stande kommt, ist leider nur ein Anfänger in einer Welt, in der alles schon einmal da war -auch Fachleute. (Karl-Hermann von Behren)
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  #4  
Alt 05.05.2017, 14:25
tmr tmr ist offline
 
Registriert seit: 02.01.2009
Beiträge: 1.868
Standard

Hallo,
Zitat:
Zitat von Truesound Beitrag anzeigen
das Entrauschen wird eigentlich schon lange angewendet. Es wird ein Fingerprint an einer modulationsfreien Stelle genommen und das wird dann aus der Aufnahme herausgerechnet....
Weiß ich und mach ich ja auch so bei meinen eigenen Aufnahmen.
Allerdings weiß ich daher auch, daß so gut wie immer ein Kollateralschaden der beschriebenen Weise übrig bleibt.
Meistens fällts halt nicht so auf, wenn man das Original nicht kennt.

Gruss

Thomas
__________________
http://www.highfidelity-aus.berlin/
Gewerblicher Teilnehmer
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  #5  
Alt 05.05.2017, 14:37
Franz Franz ist offline
 
Registriert seit: 28.11.2007
Beiträge: 8.948
Standard

Zitat:
Meistens fällts halt nicht so auf, wenn man das Original nicht kennt.
Genau, das ist das Problem. Ich sage schon seit langem, daß man nach Möglichkeit die weniger behandelten Originalaufnahmen auf CD nehmen soll. Jede CD ist leider schon derart behandelt, je jünger sie ist, desto mehr. Am schlimmsten sind die sog. "remasterten" Sachen, die sind meist - Ausnahmen bestätigen die Regel - einfach nur grausam ihres musikalischen Gehalts beraubt. Viele Tonmenschen könnt ich erwürgen, das sind Stümper ohne jedes musikalische Gespür und Feingefühl. Hauptsache, sie können Regler, Knöpfe und Schieber bewegen und kennen sich mit PC aus. Mit Musik haben die nichts mehr am Hut.
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  #6  
Alt 05.05.2017, 14:57
shovelxl shovelxl ist offline
Rechts ist Gas
 
Registriert seit: 29.10.2016
Beiträge: 1.734
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Ich werde stets belächelt, wenn ich sage, dass ich mit diesen durchdigitalisierten Anlagen nicht zurecht komme.
Seitens der Hardware, wie auch klanglich.
Zu einem großen Teil klingen diese Wiedergaben in meinen Ohren "technisch", was dann vielleicht auf die von Thomas beschriebenen Umrechnungen und Korrekturen zurückzuführen sind.
Für mich habe ich das nicht weiter verfolgt, weil mich diese Form der Musikwiedergabe nicht anmacht und auch klanglich in keinster Weise restlos überzeugt.
Gruß
Guido
__________________
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  #7  
Alt 05.05.2017, 14:58
Replace-W Replace-W ist offline
 
Registriert seit: 03.12.2008
Beiträge: 2.714
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Ich erinnere mich noch gut an den Streit im Hoerspass Forum wo ich auf genau diesen Misstand hingewiesen habe. Als Beispiel diente damals die Living Stereobox.

Ich habe allerdings aufgehört daran zu glauben das es sich je ändern könnte. Selbst in unseren "audiophilen Kreisen" bemerken die wenigsten worum es bei solchen Dingen eigentlich geht. Am Ende wird dann eh alles als Geschmacksache dargestellt, genau wie hier im Forum.
Demnach versinken wir nun alle in der Beliebigkeit und der Nutznießer ist die Industrie die diesen Umstand bestens ausnutzt um uns weiterhin auf allen Ebenen "Schei..." als Gold zu verkaufen.
__________________
Gruß
Sam
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  #8  
Alt 05.05.2017, 15:00
Franz Franz ist offline
 
Registriert seit: 28.11.2007
Beiträge: 8.948
Standard

Guido,

es liegt nicht am Digitalem. Das bietet mehr Möglichkeiten als es analog je möglich war. Hier geht es mehr um Aufnahmen und wie sie digital aufbereitet werden.
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  #9  
Alt 05.05.2017, 15:06
Franz Franz ist offline
 
Registriert seit: 28.11.2007
Beiträge: 8.948
Standard

Sam,

ich hab die Living Stereo Box auch. Die ist gar nicht mal schlecht. Erst, wenn man die Originale wirklich mal gehört hat auf Platte, weiß man, was da fehlt. Musikalisch ist die CD-Box aber soo übel nicht mal, da kenne ich ganz andere Vergleiche zwischen Original und Kopie.

Ich hatte mal das große Glück, eine 3. Kopie des White Albums von den Beatles als Band zu hören. Dagegen ist die beste Pressung auf LP dermaßen daneben - und die wiederrum ist noch besser als jede danach gepreßte CD - daß man nur ungläubig mit dem Kopf schüttelt.

Wir sollten uns daran gewöhnen, daß wir nur Verlustbehaftetes hören. Und sollten froh sein, wenn wir nicht erfahren, wie es im Original wirklich geklungen hat. Sonst gibt man irgendwann mal das Hobby Musikhören auf.
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  #10  
Alt 05.05.2017, 15:07
shovelxl shovelxl ist offline
Rechts ist Gas
 
Registriert seit: 29.10.2016
Beiträge: 1.734
Standard

Was kann Digital denn mehr bieten, als zu verändern?
Ein Master bleibt ein Master, welches nicht zu verbessern ist, da es das Original darstellt.
Digitalisieren heißt umrechnen und in jedem System der Digitalisierung hat jemand rumgefummelt.
Klar, auch bei der CD.
Nur will man mir z.B. weiß machen, durch das rippen einer CD wird der Klang dieser auch noch besser.
Da hört es bei mir spätestens auf.
Das ist so, wie ein 1:1 Foto eines Rapsfeldes, welches nach Digitalisierung NOCH gelber ist.
Ebenso erlebe ich es immer wieder mit den dazugehörigen Anlagen.
Ich will mich hier auch nicht unnötig weiter in das Thema einmischen.
Jedoch merke ich leider nur immer häufiger, dass sich das "moderne hören" durchsetzt und der eigentliche (analoge) Klang in Vergessenheit gerät.
Das ist genau so wie mit Geschmacksverstärker im Essen...originaler Geschmack ist kaum noch gewünscht, kann leider auch kaum noch jemand was mit anfangen. (Bei uns wird noch frisch gekocht)
__________________
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