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SONUS NATURA Dieses Forum gehört den Produkten von SONUS NATURA

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  #1  
Alt 17.03.2019, 20:32
cay-uwe cay-uwe ist offline
Sonus Natura
 
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Beiträge: 2.672
Standard Sonus Natura Lumina - Röhrenendstufe

Seit ich vor einigen Jahren einen The Fischer X100a / KX-90 Röhrenverstärker in Stand gesetz habe, fing ich an über die Entwicklung eines Röhrenverstärkers nachzudenken.



Gerdade dieser Verstärker hat mir aufgezeigt, dass insbesondere das "Old School" Design durchaus ihren Reiz hat.



Das habe ich an verschiedenen Vergleichen immer wieder festestellen können, bei denen mir der The Fisher KX-90 das Flair von Röhren sehr gut vermitteln konnte. Ich fand, dass viele moderne Röhrenentwicklungen zum größten Teil das nicht konnten, denn sie klangen in meinen Ohren nicht viel anders als Transistoramps.

Damals blieb es allerdings nur beim KX-90 und ich besaß lange Zeit keinen Röhrenverstärker mehr.

Das änderte sich, als ich für die finale Abstimmung meiner Sonus Natura Extremi einen Röhrenverstärker brauchte. Zu dem Zeitpunkt interessierte mich sehr, was sich hinter Single Ended Triode ( SET ) Verstärkern verbarg und ich entschied mich für den Kauf einer Tubeguru 211 SE Endstufe.



Dieser Verstärker konnte mich sehr begeistern und ich habe recht lange damit glücklich Musik gehört und meine Lautsprecher mit ihn abgestimmt. Allerdings, stellte ich fest, dass der Tubeguru mit einer leichten Rückkopplung versehen ist, die ihn zwar recht unkritisch unterschiedliche Lautsprecher antreiben lässt, aber für mich somit das Verhalten von Lautsprechern an SET Verstärkern ohne Rückkopplung nicht optimal vermitteln konnte.

Somit kam es, dass ich paralell zu meinen Tubeguru 211SE, einen einfachen SE Amp kaufte, den mittlerweile in diesen Forum viele User als den"German Chinakracher" kennen. "German Chinakracher" deswegen, weil ich herausfand, dass dieser Verstärker viele Designfehler besaß, die ich konsequent angegangen bin und behoben habe.



Aus der Aktion ist bei mir immer mehr der Gedanke gereift, es selber mal mit einer Röhrenendstufe zu probieren und so kam es, dass ich nach all den gemachten Erfahrungen mit den "German Chinakracher" ein Lastenkatalog erstellt habe, der meine Vorstellung von einen Röhrenverstärker abbilden sollte und wie folgt ausschaut:

1.Einfaches Design, möglichst wenig Bauteile
2.Triode wegenmusikalischenKlang, aber nicht mit üblichen 300B, 2A3, etc.
3.Kein Feedback, “echterRöhrenklang, selektierte und gematched Bauteile
4.“Stabile” Vorstufensektion , Wechsellastunempfindlich
5.Netzteil mit Halbleitergleichchrichter, keineRöhre, da weniger Swing, mehrKlangtreue, Low ESR ELKOS
6.Auto-BIAS da benutzerfreundlich, Benutzerfehler vermeiden
7.Ab 4 Ohm mit einen Ausgangsübertrager, nutzerfreundlich
8.Kompakt in der Größe, Retrolook, Old School Verdrahtung
9.RoHS conform, wichtig als Gewerblicher

Ich habe viele der gemachten Erfahrungen mit den "German Chinakracher" in den Lastenkatalog einfliessen lassen und habe über die Zeit die Herausforderung der Treiberröhre kennelerne dürfen, denn es ist nicht einfach eine Röhre zu finden, die zum einen vernüftige Leistung bringt ( bei mir ca. 10 Watt an 8 Ohm ... ) und zum anderen einfach zu betreiben ist. Mit letzteren meine ich im wesentlichen mit geringen Spannungen.

Desweiteren stelle sich die Frage, ob ich eine "echte" Triode nehme, oder gar eine Pentode in Trioden-Betrieb und so kam es dass ich nach langer Recherche zwei Optionen übrig bleiben:

1. Svetlana SV811 oder SV572
2. Eine Replika der Telefunken EL156 ( Das Original geht nicht, da nicht RoHS konform )

Die Svetlana sind direkt beheizbare Trioden, also der ganz klassische Ansatz, während die EL156 eigentlich eine Pentode ist, die es allerdings im Trioden-Betrieb selbst mit jeglicher 300er Triode aufnehmen kann, eher sogar Vorteile in meinen Augen hat.

Pentoden in Trioden-Betreib ist zwar nichts Neues, aber sie haben den Nachteil, dass sie im Allgemeinen einen recht hohen Klirr gegenüber ähnlichen Trioden besitzen. Das habe ich bereits zu genüge mit meinen "German Chinakracher" erfahren können, aber auch eine Analyze und Dimensionierung aus den Datenblättern lassen das deutlich erkennen. Ich habe das in einer Tabelle mal zusammengefasst und dabei soweit es ging die Endstufenröhren für eine Leistung von ca. 5 - 6 Watt dimensioniert um den Vergleich zu verdeutlichen. Dies sind meine zusammengefassten Daten:



Es sind einige Daten in der Tabelle zu finden, auf die ich etwas eingehen möchte. Zuerstmal habe ich alle Dimensionierungen so gestaltet, dass die Röhren mit ca. 350V betrieben werden, außer der SV811, die mehr als das doppelte braucht, und die 6L6TAD, die ich mit ca. 400V angesetzt habe, damit sie in der Lage ist annähhernd die geforderte Leistung von 5 Watt zu erreichen. Der Grund für diese Dimensionierung ist, dass ich so alle Röhren auch messen konnte um sie zu vergleichen.

Wie im oberen Teil zu sehen, besitzen alle Pentoden in Trioden-Betrieb einen recht hohen Klirr, der allerdings im Wesentlichen von K2 dominiert wird und somit eher unkritisch und für ordenlichen "Sounding" sorgt. Dass das nicht so störend ist, wie es den Anschein hat, konnte ich schon mit unzähligen Hörproben bei mir erfahren. Selbst eingefleischte "HighEnder" waren insgesamt sehr angetan von den 5881 und 6L6TAD, die ich lange in Einsatz hatte. Allerdings, mit den gelisteten Pentoden, lassen sich die gewünschte Leistung von ca. 10 Watt nicht erreichen.

Im unteren Bereich sind die SV811 und 300B als echte Triodenvertreter gelistet und man sieht, dass der Klirr um einiges geringer ausfällt. Man sieht aber auch, dass die EL156 Pentode ein sehr gutes Bild abliefert, denn sie steht diesebzüglich den geziegten Trioden in nichts nach.

Bei den Vergleich habe ich mir auch genauer die Gitterspannung ( Ug1 ) angeschaut, die notwending ist, um die gefordertete Leistung für den Test zu erreichen. Und auch hier schlägt sich die EL156 hervorragend. Sie braucht in etwa nur 1/3 dessen was z.B. einen 300B braucht. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn das bedeutet, dass die Vorstufe weniger belastet wird und auch mit einen geringeren Klirr arbeitet.

Auch untersucht habe ich die Leistung die die Endröhren für ihre Heizung brauchen und da fällt die SV811 sehr auf, die 6,3V und 4A braucht. Top ist da die 300B, die die geringste Heizleistung braucht. Man beachte, dass dies "verbratene" Leistung ist und selbt entsteht wenn die Röhren in Leerlauf läuft.

Zu den Leerlaufleistungen gehört auch die, die bei den notwendigen Arbeitspunkteinstellung entsteht. Hier schlägt sich die EL156 sehr gut und wie man sieht entsteht eine sehr hohe Verlustleistung bei der SV811.

Ich mache mal ein Beispiel. Die SV811 würde alleine für die Heizung und den Arbeitspunkt eine Verlustleistung von 72Watt generieren, bei zwei sind das schon mal 144Watt ohne weitere Verluste in Betracht ziehen, die von anderen Röhren her rührt. Die EL156 oder die 300B schlagen mit ca. 44Watt zu Buche, bzw. 88Watt für zwei.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, Reserven bei der Arbeitspunkteinstellung zu haben. Eine Daumenregel besagt, der Arbeitspunkt sollte bei ca. 70% der Maximalleistung der Röhre liegen. Das habe ich mit den Pa-Ratio dargestellt und da fällt auf, dass die EL156 sich am Besten schlägt. Sie liefert bei ähnlichen Einstellungen wie die 300B bei geringster Verlustleistung sogar noch etwas mehr Ausgangsleistung. Dazu muss man wissen, dass um so geringer die Verlustleistung am Arbeitspunkt ist, die zu erwartende Lebensdauer der Röhre steigt ...

Wie ich sagte, sind das Dimensionierungen nach den Datenblättern, doch viel wichtiger ist wie es in der Realität ausschaut. Im Moment kann ich das nur für die 5881 bzw. 6L6TAD und der EL156 Röhre sgen, denn dafür habe ich den "German Chinakracher" als Testumfeld nutzen können.

Die EL156 besitzt gemessen am Arbeitspunkt eine Verlustleistung von 19,8 Watt, also eher etwas geringer als aus den Datenblättern berechnet. Die 6L6TAD eine Verlustleistung von 24,75 Watt und so ziemlich genau das errechnete aus den Datenblättern.

Den Klirr der 6L6TAD Röhre hatte ich bereits unter diesen Bedingungen beim "German Chinakracher" gemessen und dieser liegt im Bereich der Berechnungen.

Interessant wird es bei der EL156, die ich bereist eingesetzt habe um sie zu evaluieren. Auf die Schnelle habe ich einen bildlichen Vergleich mit der 6L6 bei ca. 1 Watt an 8 Ohm gemacht, in dem ich mir die Sinussignale am Ozilloskop angeschaut habe.



Das ist zwar keine richtige Messung, zeigt aber die Problematik vieler Pentoden in Trioden-Betrieb. Das ist deutlich zu sehen. Während die EL156 unter diesen Bedingungen mehr oder weniger ein ideales Sinussignal reproduziert, sieht man an der 6L6TAD, dass die positive Halbwelle deutlich verzerrt ist. Eine grobe Berechnung ergibt ca. 5,5% K2, während die EL156 so gut wie keinen Klirr zeigt.

Im Moment schaut mein Testaufbau mit der EL156 wie folgt aus und kommt den endgültigen Design der geplanten Endstufe sehr nahe.



Dieser Testaufbau beinhaltet bereits alle von mir gestellten Anforderungen, wie selektierte Bauteile. So zum Beispiel liegen die Unterschiede zwischen den Röhren unterhalb von 1%. Wohlgemerkt, wir sprechen darüber, dass es keine Rückkopplung gibt. Das sind somit hervorragende Werte. Auch das Netzteil ist wie von mir gewünscht, aufwendig aufgebaut, mit sehr guten Ladekondensatoren und Glättungsdrosseln. Es ist "Old School" um z.B. geringstmögliches Brummen am Ausgang zu erreichen und sind mit 3,5mV rms praktisch nicht vorhanden.

Ein letzter Schritt fehlt noch, nämlich ein Netzteiltrafo, der es mir erlaubt auch das Paar selektierte Svetlana SV811 Röhren zu evaluieren. Danach treffe ich eine Entscheidung welche Röhre ich für meine Endstufe einsetzen werde.

Klanglich kann ich im Moment sagen, dass die EL156, sich hinter keiner 300B oder 211 Röhre verstecken muss. Ehrlich gesagt, gefällt sie mir besser als das was ich von meinen Tubeguru 211SE her kenne. Sie geht in eine ähnliche Richting, allerdings ohne jegliche Schärfe im Hochton, was aber nicht heißt, dass sie Details unterschlägt. Der Bass ist auch von besonderer Kontrolle, sehr struckturiert und differnziert. Da hat z.B. eine 5881 nichts zu melden. Sehr gut gefällt mir die Stimmenwiedergabe. Auch hier sehr ähnlich der 211 und verglichen zur 5881 bzw. 6L6 natürlicher. Besonders hervorheben möchte ich die Dynamik, die die EL156 wiederzugeben vermag. Wie aus dem Nichts werden z.B. Blasinstrumente, insbesondere Trompeten, in den Raum gestellt.

Ich muss sagen, die EL156 hat ein hohen Standard und Messlatte hinterlassen, nicht nur messtechnisch und die SV811 muss sich da noch behaupten müssen.

Ich bin gespannt ....
__________________
Happy listening, Cay-Uwe

http://www.sonus-natura.com/

Geändert von cay-uwe (18.03.2019 um 07:44 Uhr).
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  #2  
Alt 17.03.2019, 21:00
audio_virus audio_virus ist gerade online
 
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Beiträge: 139
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Respekt!
Das gefällt mir sehr gut! Halt uns bitte weiterhin auf dem laufenden!

VG
Chris
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  #3  
Alt 17.03.2019, 22:43
shovelxl shovelxl ist offline
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Hey Cay
Kann ja ein BISSCHEN mitreden, zumal mittlerweile der Tubeguru bei mir sein "Gnadenbrot" bekommt.

Die 156er könnte sicher passen.
Auch das Autobias ist bei Deiner Wahl von Vorteil.

An welche Treiberröhren hast Du gedacht, die altehrwürdigen 6463 oder eher Richtung klassischer ECC?
Bin gespannt auf die Wahl des Netzteils und der Übertrager.

Dein Chinakracher macht ja jetzt schon eine gute Figur.
Hast aber auch lange genug Gehirnschmalz rein gesteckt.
Keine Quantentechnik aber auf die Zutaten kommt es an.
Bin auf die erste Hörsession gespannt.

Gruß
Guido
__________________
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  #4  
Alt 17.03.2019, 22:53
audio_virus audio_virus ist gerade online
 
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Beiträge: 139
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Ich finde die 156er als spannende Wahl...
Meine TubeGuru Monos (GM70 und F2A11) haben noch kein Gnadenbrot bekommen, stauben aber jetzt wo ich 300b‘s habe auch vor sich hin

VG
Chris
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  #5  
Alt 17.03.2019, 23:04
shovelxl shovelxl ist offline
Rechts ist Gas
 
Registriert seit: 29.10.2016
Beiträge: 2.261
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Hey Chris
Je nach LS haben die 300er deutliche musikalische Vorteile gegenüber einer GM70, die ich übrigens nicht sonderlich mag.
Gnadenbrot stand auch in Apostroph, da ich den Tube hier intensiv nutze.
Nach dem Tausch der Shuguang gegen die selektierten Psvane ging noch mal ein großer Schritt nach vorne.
Was wieder zeigt, dass eine Röhre passen muß und die Qualitätssprünge nach oben sich oft lohnen (nicht nur NOS, auch gibt es sehr gute aktuelle Produktionen).

Ich bin mir aber sicher, wenn Cay was neues entwickelt wird es ein TOP Preis/Leistungs Angebot.
Ich bin sehr gespannt.
Cay...ich kaufe schon mal für die Lasagne ein (und ja, 1/2 wird ohne Erbsen...)
__________________
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  #6  
Alt 18.03.2019, 07:42
cay-uwe cay-uwe ist offline
Sonus Natura
 
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Beiträge: 2.672
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Zitat:
Zitat von shovelxl Beitrag anzeigen

...

Die 156er könnte sicher passen.
Auch das Autobias ist bei Deiner Wahl von Vorteil.

An welche Treiberröhren hast Du gedacht, die altehrwürdigen 6463 oder eher Richtung klassischer ECC?
Im Moment benutze ich eine TAD 6922 Premium Selected Vorstufenröhre. Die erfüllt meine Vorderung einer stabilen Vorstufe und einfachen Aufbau. Sie besitzt so wie ich sie beschaltet habe schon einen sehr geringen Ausgangswiderstand und somit lassen sich Folgestufen schon sehr wirksam betreiben. Durch ihre eher mittleren Verstärkung passt sie auch sehr gut zu den Ausgangspegeln die heute in HiFi-Geräten üblich sind und macht den Eingang nicht zu empfindlich, eine Sache, die mir bei vielen Röhrenverstärkern nicht gefällt.

Die 6463 wäre auf dem Papier auch eine gute Wahl, fällt aber dadurch dass sie nur als NOS zu bekommen ist durch, da sie somit kein RoHS besitzt

Zitat:
Zitat von shovelxl Beitrag anzeigen
Bin gespannt auf die Wahl des Netzteils und der Übertrager.
Die Übetrager sind bereits gesetzt, zumindestens für die EL156. Ich hatte sie mir für den "German Chinakracher" auf meine Spezifikationen wickeln lassen. Die EL156 passt zu denen sehr gut.

Für die SV811 werde ich mir neue herstellen lassen müsssen, denn sie kommt mit der niedrigen Impedanz nicht so optimal zurecht.

Das Netzteil ist prinzipiell bereits auf den Stand wie ich es möchte, sprich hochwertige Low ESR ELKOs, Siebdrosseln, schnelle Gleichrichter.

Der Trafo lässt noch auf sich warten. Der hat die Besonderheit, dass ich die Vorstufensektion mit einen getrennten Netzteil betreiben werde. Ich habe festgestellt, dass das Abgreifen von den Spannungen aus einen Netzteil zu viel Schwankungen mit sich bringt. Das möchte ich gerade in der Vorstufe stabiler halten.

Außerdem besitzt der Trafo nochmals getrennte symmetrische Heizwicklungen für jede Röhre, womit sich theoretisch das Brummen nochmals reduzieren lässt. Wieviel das bringt wird sich zeigen. Im Moment liegt das schon so niedrig bei meinen Prototypenaufbau, dass ich gespannt bin was das noch bringt.

Zitat:
Zitat von shovelxl Beitrag anzeigen
Dein Chinakracher macht ja jetzt schon eine gute Figur.
Hast aber auch lange genug Gehirnschmalz rein gesteckt.
Keine Quantentechnik aber auf die Zutaten kommt es an.
Bin auf die erste Hörsession gespannt.

Gruß
Guido
Ich bin auch gespannt was Du sagst und möchte ergänzen, die EL156 war ein Quantensprung

Zitat:
Zitat von shovelxl Beitrag anzeigen

...

Gnadenbrot stand auch in Apostroph, da ich den Tube hier intensiv nutze.
Nach dem Tausch der Shuguang gegen die selektierten Psvane ging noch mal ein großer Schritt nach vorne.
Was wieder zeigt, dass eine Röhre passen muß und die Qualitätssprünge nach oben sich oft lohnen (nicht nur NOS, auch gibt es sehr gute aktuelle Produktionen).
Genau meine Meinung. Es gibt aktuelle Produktionen, die tatsächlich sehr gut sind. Ich komme um die nicht herum, da NOS kein RoHS besitzt. Die EL156 Replika und die SV811 bzw. SV572 sind RoHS konform.

Zitat:
Zitat von shovelxl Beitrag anzeigen

...

Cay...ich kaufe schon mal für die Lasagne ein (und ja, 1/2 wird ohne Erbsen...)

Darauf freue ich mich
__________________
Happy listening, Cay-Uwe

http://www.sonus-natura.com/

Geändert von cay-uwe (18.03.2019 um 07:48 Uhr).
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  #7  
Alt 25.03.2019, 12:47
cay-uwe cay-uwe ist offline
Sonus Natura
 
Registriert seit: 03.12.2008
Beiträge: 2.672
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Letzte Woche habe ich mich intensiv mit meinen Röhrenverstärker beschäftigt und dabei insbesondere meine Berechnungen und Dimensionierungen messtechnisch überprüft. Dabei hat sich gezeigt, dass diese EL156 Replika ihren Namen alle Ehre macht, denn obwohl ich meine Berechnungen auf Basis originaler Telefunken EL156 Datenblättern durchgeführt habe, hat sich messtechnisch eine sehr gute Übereinstimmung gezeigt, wie in der unten eingefügten Zusammenfassung zu sehen ist.



Die berechnete Maximalleistung unter den Testbedingung hätte ca. 6W sein sollen. Gemessen habe ich 5,78W. Die Differenz ergab sich dadurch, dass sich durch die Wahl von Auto-BIAS ich die EL156 nicht ganz so stark ansteuern konnte wie gewünscht. Wäre das möglich gewesen dann hätte die zu erwartende Leistung auch messtechnisch stand gehalten.

Den Klirr habe ich bei 4W Leistung gemessen, um etwas Headroom zu haben, aber auch zum anderen, weil mit meinen Sonus Natura Extremi mit ihren 95dB Empfindlichkeit ich selten mehr als 2W brauche um wirklich laut zu hören. In anderen Worten, die 4W sind in meinen Hörraum ein mehr als realistischer Aussagewert.

Wie aus der Tabelle zu sehen ist, habe ich unter den Bedingungen aus den Telefunken Datenblätter eine K2 Klirr von 2,17% berechnet. Gemessen waren es 2,49%, wobei in diesen Fall zu berücksichtigen ist, dass in diese Messung im Gegensatz zu den Datenblättern, die komplette Vorstufensektion und die Ausgangstrafos mit einfliessen. Somit ist der Unterschied von ca. 0,5% mehr als gut und spricht für die korrekte Dimensionierung meiner Vorstufenröhre, aber auch für eine hervorragende Qualität der gewählten SE Ausgangsübertrager, die ich im Detail bereits im „German Chinakracher“ beschrieben habe.

Ich habe den Gesamtklirr mit meinen Messsystem aufgenommen und da erkennt man im Detail wie gut sich diese EL156 Replika zeigt.



Ich habe in das Bild die Klirrwerte von K2 und K3 bei 1kHz eingeblendet und sie zeigen das typische Klirrverhalten einer Triode, nämlich vorwiegend K2 und praktisch nicht existente höhere harmonische Klirrwerte. In diesen Fall ist K2 mit 2,491% und K3 0% !!!

Wie gesagt, dass ist für eine Pentode in Triodenmodus sehr außergewöhnlich und von dem was ich so sehe liegt das auf den Niveau von vielen gängigen 300B Trioden.

Eine weitere Herausforderung dieses Röhrenverstärkers ist die Zielsetzung ohne Rückkopplung zu arbeiten. Nicht dass ich etwas gegen Rückkopplung hätte, aber wenn man „Röhrenklang“ haben möchte, dann ist sie kontraproduktiv. Problematisch bei Konzepten ohne Rückkopplung ist, dass man für die eingesetzten Bauteile sehr niedrige Toleranzwerte ansetzen muss und eine genaue Selektion der Komponenten ist zwingend notwendig.

Selbstverständlich gehört dazu, dass die Röhren selektiert sind, aber ich musste auch andere eingesetzte Bauteile, wie z.B. im Netzteil, enger toleriert auslegen um unter Anderen eine geringstmögliche Kanalabweichung zu erreichen. In Fachkreisen gilt, dass Kanalabweichungen unter 0,5dB in solchen Fällen als sehr gut gelten.

Ich erwähnte bereits im Vorfeld, dass die eingesetzten EL156 sehr gleich ausfallen, wie auch auch die E88CC, die ich in der Vorstufe einsetze. Deswegen war ich sehr gespannt, ob ich die Abweichung der Kanäle unter 0,5dB halten kann. Ich konnte schon bei meinen Messungen von den „German Chinakracher“ aufzeigen, dass das zu realisieren ist, doch ich staunte nicht schlecht als ich die Messungen mit der EL156 machte, denn die Kanalabweichung lag unter 0,15dB, eher 0,1dB wie man aus den Frequenzgang beider Kanäle sehen kann.



Der gezeigte Frequenzgang ist typisch für SE Röhrenverstärker und fällt zu hohen und tiefen Frequenzen leicht ab. Bei 20Hz liegt der Pegel bei -1dB, sowie auch bei 20kHz. Diese geringe Dämpfung spricht wiederrum für die gute Qualität der gewählten SE Ausgangsübertrager.

Alles in Allen finde ich diese EL156 sehr gut und ich schließe mich der Meinung der Zeitschrift ELEKTOR an, die in Ihre Ausgabe 03 / 2005 schrieb:

Zitat:
Vergleiche mit der originalen Telefunken-Röhre ergaben, dass der Nachbau mechanisch wie elektrisch gut gelungen ist …
Dazu kommt noch, dass der erzielte Klang, ganz nach meinen Vorstellungen ist und ich mich entschieden habe für diese Entwicklung die EL156 einzusetzen und nicht mehr die Svetlana SV811 / SV572.

Es gibt aber weitere Gründe auf die EL156 Replika zu setzen, denn sie erfüllt ein weiteren Punkt meines Lastenkataloges, nämlich einfaches Design. Das geht mit der SV811 / SV572 nicht ganz so einfach. Insbesondere das Netzteil wird zur Herausforderung, nicht nur wegen der höheren Betriebsspannungen, die bei ca. 800V, statt nur 450V bei der EL156 liegen, sondern auch wegen der notwendigen Bauteileanzahl, die schwer werden in den festgelegten Gehäuseplatz unterzubringen. Außerdem erfordert die SV811 / SV572 Endröhre höhere Eingagspegel, die dazu führen, dass die Vorstufe einen höheren Klirr erzeugt.

Ein letzter Schritt ist noch zu machen, nämlich die finale Dimensionierung und Berechnung umzusetzen. Das betrifft im Wesentlichen das Netzteil, das höhere Betriebsspannungen erlaubt, als das gerade für den Test eingesetzte. Der notwendige Trafo ist dieser Tage bei mir eingetroffen. Jetzt gilt es das Netzteil anzupassen und ein weiteres gesetzte Ziel zu überprüfen, nämlich eine Leistung von ca. 2x 10W zu erreichen.

Meinen Berechnungen zu folge sollten ca. 10,8 Watt pro Kanal möglich sein, womit dieser Verstärker auch Lautsprecher mit ca. 90dB Empfindlichkeit gut betreiben könnte, wie zum Beispiel die passive Version meiner Sonus Natura Monitor oder Sonus Natura Unikat.

Ihr seht, es geht spanned weiter
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Geändert von cay-uwe (25.03.2019 um 12:51 Uhr).
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  #8  
Alt 25.03.2019, 13:37
shovelxl shovelxl ist offline
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Moin Cay
Vielen Dank für die aktuellen Infos.
Klingt ja bis jetzt sehr vielversprechend.

Frage am Rande:
Künftig vielleicht auch als Mono Amps zu gestalten?
Ich kann mir gut vorstellen, so die gewünschte Leistung noch zu überholen.
Aber 2-3W hoch oder runter, wäre bei mir auch wurscht.
Gruß
Guido
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  #9  
Alt 25.03.2019, 14:35
cay-uwe cay-uwe ist offline
Sonus Natura
 
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Zitat:
Zitat von shovelxl Beitrag anzeigen
Moin Cay


...


Frage am Rande:
Künftig vielleicht auch als Mono Amps zu gestalten?
Ich kann mir gut vorstellen, so die gewünschte Leistung noch zu überholen.
Aber 2-3W hoch oder runter, wäre bei mir auch wurscht.
Gruß
Guido
Gute Frage, die verdeutlich wie wichtig es ist bei einer Entwicklung ein Lastenkatalog zu definieren, denn er dient dazu den Entwickler "auf Kurs" zu halten.

Natürlich kann ich viele Optionen neben der definierten Ziele verfolgen, die mich aber wenn man so möchte Zeit kosten. Irgendwann sollte man an sein Ziel ankommen, nicht zu vergessen den Aufwand den ich in den "German Chinakracher" gesteckt habe, mit immerhin fast zwei Jahre, von den diese Entwicklung definitiv profitiert ...

So toll sich die EL156 auch gibt, sie hat ihre Grenzen, z.B. was die Betriebsspannungen anbetrifft. Treibe ich die auf das Maximum und mache etwas Anpassungen an den Ausgangsübertrager, dann sind theoretisch ca. 13Watt möglich, berechnet eher 12,96Watt

Ich denke die Antwort auf Deine Frage relativiert sich wenn man die "Ausbeute" betrachtet
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  #10  
Alt 25.03.2019, 19:38
shovelxl shovelxl ist offline
Rechts ist Gas
 
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Bei meinem Wirkungsgrad wäre es eh Wurscht, ob 5 oder 50W.
Denke nur an die Stromstabilität bei weniger begünstigten LS.
Ebenso benötige ich (sicher auch der ein oder andere Interessent) keine Vorstufeneinheit, da es ja ein Vollverstärker wird.
So mein Gedankengang.

Außerdem möchte ich ja auch nicht, dass Dir langweilig wird!
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